Alle Aktualitäten

22. August 2022

Eine erfolgreiche Iniative in Aleppo

Vor zwei Jahren lancierten wir zusammen mit unserem italienischen Partner „Pro Terra Sancta“ das Projekt „Ein Name – eine Zukunft“. Das Projekt setzt sich für Kinder und ihre Mütter im immer noch stark zerstörten Ostteil von Aleppo ein. Annalisa Greco berichtet, wie die Hilfe des Schweizerischen Heiligland-Vereins eingesetzt werden konnte.

 

Im Osten Aleppos, in den Gebieten Al Shaar und Karm Al Duddou, wurden zwei Betreuungszentren für Kinder eingerichtet, die zu Waisen wurden oder von Frauen geboren wurden, die während der Kontrolle des Gebiets durch dschihadistische Milizen vergewaltigt und missbraucht wurden. Nach der Befreiung von Aleppo wurden viele dieser Frauen von ihren Familien verstossen und ihre Kinder, um einen Skandal zu vermeiden, nicht beim Standesamt angemeldet. Trotz ihrer Armut, ihres prekären psychischen Zustands und ihrer sozialen Isolation erhalten diese Frauen und ihre Kinder, die als Kinder der Sünde angesehen werden, keinerlei Unterstützung vom Staat. Sie sind ausgegrenzt und benötigen nebst Nahrungsmitteln auch psychologische und soziale Unterstützung. An sie richten sich die Angebote in den neu eingerichteten Betreuungszentren.

Hier erhalten sie Hilfe zur rechtlichen Rehabilitierung sowie Unterstützung, damit ihre Kinder in das öffentliche Schulsystem integriert werden können. 2021 besuchten mehr als 3 000 Kinder die Zentren und rund 350 Frauen wurden beraten. Die Zahl der Hilfeersuchenden nimmt jedoch weiter zu. Das Ziel für 2022 ist daher die Eröffnung eines dritten Zentrums in Ost-Aleppo, um eine noch grössere Anzahl von Kindern und Müttern erreichen zu können.

 

Angebote in den Betreuungszentren

Auch dank der Unterstützung des Schweizerischen Heiligland-Vereins konnten in den beiden Zentren Kinder und Mütter psychologisch und pädagogisch betreut werden. Ausserdem konnten eine Alphabetisierungskampagne, Schulwiedereingliederungskurse und Arabischunterricht für Kinder durchgeführt werden.

Annalisa Greco, Mailand

Zum Beispiel

Amira – 10 Jahre alt

Nach einer langen Krankheit ihres Bruders, der ein Jahr älter ist als sie, begann Amira unter chronischen Angstzuständen zu leiden, die von häufigen Panikattacken und anhaltenden Weinkrämpfen begleitet waren. Als das Mädchen in unser Zentrum eintrat, litt es unter Schwindel, war unfähig seine Gefühle auszudrücken und sprach mit niemandem ausserhalb ihrer Familie. Nach sechs Monaten Sitzungen mit Psychologen und der Teilnahme an unseren Aktivitäten wird Amira nicht mehr von negativen Gedanken gequält und ist in der Lage, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken.

Manal – 45 Jahre alt. Mutter von neun Kindern

Als Manal in unser Zentrum aufgenommen wurde, konnte sie nicht einmal einen Stift halten und behauptete: «Ich bin zu alt, um etwas zu lernen.» Trotzdem beschloss Manal, einen Alphabetisierungskurs zu besuchen. Sie übte täglich zusammen mit anderen Frauen und nach einem Jahr konnte sie lesen und schreiben. Jetzt beginnt für sie ein neues Leben, da sie nun ihre Kinder beim Hausaufgaben machen unterstützen kann. Unter Tränen berichtet sie uns, dass sie zum ersten Mal einen Bus nehmen konnte, ohne Passanten um Hilfe bitten zu müssen.

Shahd – 20 Jahre alt

Aufgrund des Krieges musste Shahd in der vierten Klasse die Schule abbrechen und hatte dadurch nicht einmal die Mindestkompetenzen im Rechnen, Schreiben und Lesen erreicht. Durch den Besuch unseres Zentrums schaffte sie den Alphabetisierungsnachweis und konnte wieder den regulären Schulunterricht besuchen. Heute geht sie in die High School und wird in einem Jahr ihren Abschluss machen.

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3. Juni 2022

Wir brauchen ein neues Pfingsten – die syrische Gesellschaft in der Krise

12 Jahre Krieg haben die syrische Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Dabei zeigen sich drei Hauptopfer dieses unsäglichen Konflikts: die Familien, die Jugend und die Kirche.

Der maronitische Erzbischof von Damaskus,
Samir Nassar fordert ein neues Pfingsten

Zerstörte Familien: Die Keimzelle Familie, die unser Land immer wieder gerettet hat, hat ihre zusammenhaltende Funktion verloren. Familien sind zerstreut. Immer mehr  alte Menschen werden nicht mehr von ihren Familien geschützt.  Können Familien, die seit zwölf Jahren gegen den Strom rudern und durch die fundamentale Krise geschwächt sind, noch ihre ursprünglichen Aufgaben erfüllen?

Geschwächte Jugend: Einst die treibende Kraft unserer Gesellschaft, sind diese jungen Menschen heute arbeitslos, auf der Flucht im Ausland oder im Militärdienst. Die Flucht von zahlreichen jungen Leuten hinterlässt Lücken, die nicht zu schliessen sind. Die Abwesenheit der Jugend erschwert den wirtschaftlichen Wiederaufbau. Ein akuter Mangel an Arbeitskräften schwächt die kollabierte, lokale Wirtschaft weiter. Wie können wir das Überleben eines Landes sichern, das seiner aktiven Kräfte beraubt ist? Wie kann man mit einer so lähmenden Situation, wie sie heute in Syrien herrscht, umgehen?

Eine in Frage gestellte Kirche: Taufen und Hochzeiten werden immer seltener. Der schwindelerregende Rückgang in der Nachfrage nach Sakramenten ist seit fünf Jahren spürbar. Die Abwesenheit der Jugendlichen wirkt sich negativ auf das Pfarreileben aus. Der deutliche Rückgang des sonntäglichen Gottesdienstbesuchs, der Rückgang der Nachfrage nach katechetischen Angeboten, weniger Erstkommunionfeiern und abnehmende pastorale Aktivitäten führen auch dazu, dass unsere Priester, die nur noch einen Minimaldienst leisten, abwandern und entmutigt werden.

Diese fundamentalen Veränderungen laden dazu ein, die traditionelle Pastoral zu hinterfragen. Mitte März 2022 fand in Damaskus ein von der Apostolischen Nuntiatur und der Kongregation für die Orientalischen Kirchen organisiertes Symposium über die Soziallehre der Kirche statt, um die Angst zu überwinden und Hoffnung zu wecken. Eine so alte apostolische Kirche wie wir, die sich in der Tradition eingerichtet hat, ist aufgerufen, den Schritt zu einer neuen Form des christlichen Zeugnisses zu wagen. Wir vertrauen auf den Geist, der allein ein neues Pfingsten entfachen kann. Komm Geist des Lichts

+ Samir NASSAR

Maronitischer Erzbischof von Damaskus

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24. Mai 2022

Dauerkrise im Libanon bedroht katholische Privatschulen

Die anhaltende Wirtschaftskrise, die Pandemie, die Explosion im Hafen von Beirut und nun eine Nahrungsmittelkrise erschüttern den Libanon. Viele Menschen leiden unter diesen Ereignissen. Die dramatische Lage betrifft auch unsere Partner, die Schulen führen. Soeur Maguy Adabashy, in Beit Habbak und Père Maroun Ghafari in Alma-Chaab bitten um unsere Hilfe.

Die Schule in Beit Habbak

Das College of the Girl of Lebanon ist eine katholische Schule in Beit Habbak, in einer ländlichen Gegend. Die Schule finanziert sich mit einem Schulgeld, das zur Hälfte von den Eltern und zur Hälfte vom Staat bezahlt wird, der allerdings seit fünf Jahren seiner Verpflichtung nicht mehr nachkommt. Nur dank Spenden, Patenschaften und Unterstützung durch Dritte kann der Schulbetrieb aufrechterhalten werden.

Die Grundschule in Alma-Chaab

Die private katholische Grundschule von Alma-Chaab wird von der Kongregation der Maronitenschwestern von der Heiligen Familie geführt. Diese Privatschule wird nicht vom libanesischen Bildungsministerium unterstützt. Der Schulbetrieb finanziert sich allein durch Elternbeiträge sowie durch Spenden. Das öffentliche und private Bildungswesen ist seit Oktober 2019 bedroht. Eltern müssen Land, Häuser oder anderen Besitz verkaufen, um das Schulgeld ihrer Kinder zu bezahlen. Lehrpersonen können nicht bezahlt werden, weil das Schulgeld nicht reicht. Die Generaloberin erklärt: «Unsere Schule kann nicht mehr lange ohne zusätzliche Unterstützung überleben.».

Der wahre Reichtum im Libanon ist die Bildung. Unterstützen Sie unsere katholischen Privatschulen in Beit Habbak und in Alma-Chaab, damit unsere Türen auch nach den Sommerferien offen bleiben können.

Soeur Maguy Adabashy, Beit Habbak/ Père Maroun Ghafari, Alma-Chaab

 

Spendenvermerk: Schulen im Libanon

 

 

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15. Februar 2022

Interview mit Sr. Hoda Tannoury

Dieses Jahr stellen wir Menschen näher vor, mit denen wir in den Ländern des Nahen Ostens zusammenarbeiten. Heute im Gespräch mit Schwester Hoda Tannoury, die zur «Congrégation de Notre Dame du Bon Service» gehört und sich als «Secrétaire Générale» auch um die Beziehung zum Schweizerischen Heiligland-Verein kümmert. Wir geben das vollständige Interview mit Sr. Hoda wider.

 

Sr. Hoda, woher kommen Sie?

Ich bin Libanesin aus dem kleinen Dorf Qaa el Rim in den Sanine-Bergen, 15 Minuten von Zahlé entfernt. Ich bin das jüngste von acht Kindern. Meine Familie ist tief gläubig und ich habe eine leibliche Schwester, Schwester Melanie, die in derselben Kongregation wie ich ist.

Warum haben Sie sich für das Ordensleben entschieden? 

Seit meiner frühen Kindheit hat mich das Wort Gottes sehr berührt.  Es entsprach meinem tiefen Wunsch und drückte meine Vision und meine Werte aus.  Als ich zwölf Jahre alt war, trat meine Schwester Melanie in einen Orden ein. Später orientierte ich mich an ihrer Wahl und trat in die gleiche Gemeinschaft ein.

Warum sind Sie bei den Schwestern von Notre-Dame du Bon Service eingetreten?

Ich mochte meine Schwester Melanie sehr und besuchte sie von Zeit zu Zeit. Während dieser Besuche beobachtete ich die Schwestern. Sie lebten in Einfachheit in einer armen Gegend und widmeten sich den Menschen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ihre Beziehungen in der Gemeinschaft waren fröhlich und unkompliziert.

 Wie war Ihr Weg innerhalb der Gemeinschaft?

Während meines Noviziats führte mich mein erster Auftrag dazu, eine Mitschwester in der Kindertagesstätte in Jdeideh, einem Dorf in der Nähe von Jabouleh, zu unterstützen, wo ich fünf Jahre lang blieb.

Danach wurde ich ausgesandt, um den Paulistenpatres in Harissa zu helfen.  Ich nutzte diesen Einsatz, um meinen Master in Theologie zu machen. Seit meinem Noviziat hatte ich davon geträumt, mein Wissen über die Wurzeln der Kongregation zu vertiefen, indem ich die Manuskripte unseres Gründers, Bischof Joseph Maalouf, studierte. Dieser Masterstudiengang bot mir die Gelegenheit dazu und ich schrieb meine Doktorarbeit über die Geschichte und das Charisma der Kongregation von N-D du Bon Service. Anschliessend arbeitete ich vier Jahre lang in unseren beiden Schulen in Jabouleh und Jdeideh.

Dann schickte mich meine Oberin auf einen Einsatz im Seminar der Heiligen Anna in Raboueh und bat mich, diesen mit einem Studium für einen Master in Schulverwaltung zu verbinden. Im Jahr 2016 bat Seine Exzellenz, Bischof Gabriele Caccia, Apostolischer Nuntius im Libanon, um meine Mitarbeit als Sekretärin in der Nuntiatur. Dieser Einsatz dauerte drei Jahre und ich habe dort viel gelernt. Bischof Caccia ist ein grosszügiger und mitfühlender Mensch. Seit September 2019 unterstütze ich unsere Generaloberin, Mutter Jocelyne, bei der Leitung der bischöflichen Schule in Jabbouleh. Im Februar 2020 wurde der Libanon, wie die ganze Welt, von der Coronapandemie getroffen. Wir waren gezwungen, die Schule zu schliessen. Diese Katastrophe bot mir die Gelegenheit, mich als Generalsekretärin unserer Kongregation einzusetzen.

Welche Aufgaben haben Sie heute als Generalsekretärin?

Während meiner Tätigkeit in der Nuntiatur von 2017 bis 2019 beschränkte sich meine Aufgabe als Generalsekretärin auf die Teilnahme an den Sitzungen des Generalrats und das Führen der Sitzungsprotokolle. Ich war ein Neuling auf diesem Gebiet und mein Beitrag war sehr bescheiden. Mit der Covid-Krise im Februar 2020 hatte ich Zeit und mit der Hilfe von Sr. Ranine organisierten wir das Archiv, indexierten alle Dokumente der Kongregation von den Anfängen bis heute und druckten Ordner für die Ablage aus.  Unser Archiv sieht jetzt richtig gut aus! Wie Sie sehen, liegt in allem etwas Gutes und wir können aus allem, was uns widerfährt, etwas Gutes ziehen. Derzeit bin ich als Generalsekretärin zuständig für: für alle offiziellen Dokumente der Kongregation; für die Ablage und Archivierung der Dokumente von Mutter Jocelyne Joumaah; für das Dossier von jeder Ordensschwester, jeder Mission und jeder Gemeinschaft der Kongregation; für die Protokolle der Sitzungen des Generalrats und schliesslich für das Verfassen der Post der Generaloberin, der regelmässigen Anweisungen und Rundschreiben der Generaloberin an die Mitglieder der Kongregation sowie für unsere Ausenbeziehungen.

Würden Sie bitte ein paar Worte über die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Verein des Heiligen Landes äussern? Wie würden Sie diese Beziehung und unsere Zusammenarbeit beschreiben?

Vielen Dank, dass Sie mir die Gelegenheit geben, meine Sicht gegenüber dem Schweizer Verein des Heiligen Landes zum Ausdruck zu bringen. Zunächst möchte ich allen Mitgliedern des Schweizer Vereins des Heiligen Landes meine Dankbarkeit für ihre Treue, die Unterstützung unserer Mission und die Transparenz unserer Beziehungen zum Ausdruck bringen. Ich möchte auch die Freude, die wir erleben, mit Ihnen teilen. Sie ist die Frucht dieser Zusammenarbeit und ein Zeichen der Gegenwart Gottes. Es ist der göttliche Geist, der Frau Elisabeth Janssen dazu bringt, Mutter Jocelyne zum richtigen Zeitpunkt zu kontaktieren und sie um das zu bitten, was sie braucht. Es ist fast so, als würden Sie unsere Bedürfnisse aus der Ferne spüren. Ihre Mitarbeit ist eine lebendige Teilnahme an der Mission unserer Kongregation. Kurz gesagt: Ihre Unterstützung spornt uns an und bringt uns dazu, unseren Auftrag trotz aller Widrigkeiten und unter sehr schwierigen Umständen weiterzuführen.

Können Sie die derzeitige Situation im Libanon beschreiben, insbesondere für Sie, die Schwestern, und all die Menschen, mit denen und für die Sie leben?

Da ist zunächst einmal das, was wir derzeit ganz konkret erleben, nämlich der schwere Wintersturm, der den Libanon heimsucht. Für viele unserer Mitbürger ist er lebensbedrohlich, denn die meisten von ihnen können es sich nicht leisten, zu heizen. Der Preis für Heizöl ist unerschwinglich. Während ich Ihnen schreibe, werden mir in meinem Büro die Finger vor Kälte taub, weil ich den Heizlüfter nicht einschalte, um unsere Vorräte so weit wie möglich zu schonen. Die Gesundheitskrise belastet das Bildungswesen schwer. Innerhalb von drei Jahren ist das Bildungsniveau unserer Schülerinnen und Schüler stark gesunken. Sie benutzen abgegriffene Bücher, kommen nicht regelmässig zur Schule und die Eltern sind nicht in der Lage, das Problem zu verstehen und darauf zu reagieren. Medikamente sind zu Luxusgütern geworden, die niemand mehr kaufen kann, weil sie so teuer sind. Am schlimmsten ist jedoch die allgemeine, schlechte Lage, diese beispiellose Wirtschaftskrise, die das ganze Land erfasst hat.  Unsere politischen Institutionen liegen am Boden und sind unfähig, sich wieder zu erholen. Um einen Dollar zu kaufen, muss man 32.000 libanesische Pfund ausgeben. So lebt 80 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze und für viele von uns wird eine Packung Brot zu einem teuren Geschenk. Bei uns in Jabbouleh kommt es häufig zu längeren Stromausfällen. Warmes Wasser ist ein seltenes Gut. Nur der Aufenthaltsraum ist ständig beheizt. Der Rest des Klosters wird eine Stunde am Mittag und eine Stunde am Abend geheizt. Wir passen unsere Arbeit und unser Leben den Umständen an: je nachdem, ob das Internet oder der Strom ausfällt, oder ob die Preise jeden Tag steigen.

Haben Sie Wünsche und Träume für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Führer unseres Landes, sich zu Gott umwenden und im Licht seines Geistes nach Lösungen für die Probleme des Landes suchen. Dass alle Libanesinnen und Libanesen an menschlichen Werten festhalten und gewissenhaft handeln. Möge unser Bildungsauftrag unter günstigeren Umständen fortgesetzt werden können. Ich träume davon, dass ich auf der Höhe unseres Charismas leben kann, dass ich die Freude Christi ausstrahlen kann, wo immer ich bin. Möge die Nächstenliebe in unseren Herzen herrschen und jeder von der Güte Gottes kosten.

Was erwarten Sie von uns, den Brüdern und Schwestern in der Schweiz?

Sie haben immer ein offenes Ohr für den Schrei der anderen. Wir sehen darin ein Zeichen Ihrer Offenheit und Ihrer Bereitschaft, Schwierigkeiten zu begegnen. Bewahren Sie diesen Geist, der der Geist Gottes ist. Halten Sie die Flamme am Brennen und geben Sie sie weiter. Bleiben wir vereint im Gebet und im Dienst für Gott und sein Volk.

Das Gespräch mit Sr. Hoda Tannoury führte Boris Schlüssel.

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8. Februar 2022

Christinnen und Christen in Syrien und im Libanon

Sie wird immer wieder totgesagt, und natürlich steht sie schweren Herausforderungen gegenüber: Doch die christliche Gemeinschaft in Syrien und im Libanon lebt! Ein Reporter von Radio Vatikan, Jean-Charles Putzolu, ist nach Damaskus, Aleppo, Hassaké, Homs und Beirut gereist, um die Kirche im Zweistrom- und im Zedernland zu besuchen. Die Radio-Akademie von Radio Vatikan bietet ungewöhnliche Einblicke in zwei Länder, die von Krieg und Krise geprägt sind.

Messfeier in einer Kirche in der syrischen Provinz Hassaké

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15. November 2021

Ein Feuer der Begeisterung entfachen

Der Besuch von Papst Franziskus im Irak im März dieses Jahres entfachte nicht nur bei Christinnen und Christen, sondern auch bei der muslimischen Bevölkerung ein Feuer der Begeisterung und der Hoffnung. Hoffnung darauf, dass ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen im Irak möglich ist.

Auf seiner Reise in den Irak tauschte sich Papst Franziskus mit dem chaldäischen Patriarchen Louis Raphael Sako aus und genoss den Kontakt und die Gastfreundschaft der irakischen Bevölkerung. Er traf in der südirakischen Stadt Nadschaf auch den hochbetagten schiitischen Grossayatollah Ali al-Sistani und dankte ihm dafür, dass er angesichts von Gewalt und anhaltender Konflikte seine Stimme zur Verteidigung der Schwächsten erhoben hat. Der Grossayatollah sagte anlässlich dieser Begegnung, dass Christinnen und Christen im Irak willkommen sind und die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen im Land haben sollen.

+ Historisches Treffen von Papst Franziskus
mit dem schiitischen Grossayatollah Ali
al-Sistani im März 2021: Frieden zwischen
den Religionen ist möglich.

Coronapandemie gemeinsam überwinden

Diese aufkeimende Hoffnung ist nun durch die sich immer stärker ausbreitende Coronapandemie akut gefährdet. In jüngster Zeit wird in den meisten irakischen Provinzen ein rasanter Anstieg der Covid-19-Infektionen festgestellt, was eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus befürchten lässt. Lusia Shammas und Naseem Asmaroo vom schweizerischen Hilfswerk Basmat al-Qarib wollen den unter den verheerenden Auswirkungen dieser Pandemie leidenden Menschen helfen und haben dafür verschiedene Partner gewinnen können. In der Stadt Bagdad, in der Niniveebene und in der Region Mossul startet eine Sensibilisierungskampagne, die von den Projektpartnern Al-Amal, einer politisch und religiös unabhängigen Vereinigung von Freiwilligen, der Gesundheitsagentur IAA und von Pater Meyassar B. Moussa, Pfarrer einer chaldäischen Gemeinde in Bagdad, organisiert wird. Die Menschen werden aufgefordert, die bewährten Schutzmassnahmen wie Hygiene und Abstandsregeln und das Tragen von Masken unbedingt einzuhalten und keinesfalls nachlässig zu werden. Sie werden über die Massnahmen des irakischen Gesundheitsministeriums informiert und erhalten die Möglichkeit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

+ Unsere Partner im Irak

Wirtschaftliche Folgen lindern

Das Land hat viele Kriege erlebt und leidet nicht nur unter der schlechten Sicherheitslage, sondern auch unter der mangelhaften Gesundheitsversorgung, dem Fehlen von Sozialleistungen und vor allem unter der grassierenden Korruption und der katastrophalen Wirtschaftslage. Die Pandemie hat zusätzlich vielen Familien die Existenzgrundlage zerstört. Pater Meyassar schreibt: «Wir als Kirche müssen alles in unserer Macht  Stehende tun, um den Familien, ob Christen oder Muslime, in dieser schwierigen Situation das Überleben zu ermöglichen. Die Erfahrung der Kriege und der Wirtschaftsblockaden hat uns gelehrt, dass es möglich und effektiv ist, allen Menschen unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder Religion zu helfen und dass wir gemeinsam viele Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden können.» Damit die Verarmung und Not in der Bevölkerung nicht noch weiter zunimmt, verteilen die engagierten jungen Menschen Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs. «Ich weiss zu schätzen, was Sie für die Menschen in unserem verwundeten Land tun.»

Spendenvermerk: Im Focus 2021

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17. August 2021

Wir stehen vor einer Hungersnot

Seit vielen Jahren engagiert sich Père Maroun Ghafari im Dorf Alma-Chaab im Südlibanon als Pfarrer und Schulleiter für die lokale Bevölkerung. So sorgt er sich um Schulgelder für Kinder und Jugendliche sowie um Mietzuschüsse, Lebensmittelhilfen, Medikamente und ärztliche Behandlungen für Armutsbetroffene und alte Menschen. Angesichts einer ständigen Verknappung von Lebensmitteln im Land lanciert Père Maroun nun ein Landwirtschaftsprojekt auf pfarreieigenem Land und ermutigt die Leute zur Selbsthilfe.

Père Maroun sammelt Geld für diesen Occasionstraktor mit Anhänger, den er gerne Leuten in seinem Dorf kostenlos zur Verfügung stellen möchte.

«Wie in allen Teilen des Libanon ist die Lage auch bei uns hier im Süden sehr düster. Wir stehen vor einer Hungersnot», schreibt Père Maroun in einer Mailbotschaft an den Schweizerischen Heiligland-Verein. «Wenn der Libanon keine Hilfe bekommt, wird das Land zusammenbrechen. Seit der Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut im August 2020 verschärft sich die ökonomische, gesundheitliche und soziale Krise immer weiter.» Weil in dieser Situation vor allem auch Nahrungsmittel immer teurer und knapper werden, hat Père Maroun eine Projektgruppe gegründet, um einerseits Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner einzuladen, auf Land der Pfarrei Getreide, Obst und Gemüse anzubauen. Andererseits sorgt diese Gruppe dafür, dass Saatgut für Getreide verteilt wird und ermutigt die Leute, wieder ihr eigenes Land zu bebauen, wie es ihre Elterngeneration noch gemacht hat.

 

Die Projektgruppe möchte den Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern auch geeignetes Arbeitswerkzeug, wie einen Occasionstraktor, einen Ladewagen, einen einfachen Pflug oder einen Stromgenerator zur Verfügung stellen und sucht dafür Spenden. «Wir denken im Moment nicht an Gewinne», meint Père Maroun, «sondern nur an das nackte Überleben. Wir sind müde geworden, aber wir haben weder unseren Glauben noch unsere Hoffnung verloren.»

 

Spendenvermerk: Landwirtschaft in Alma-Chaab

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20. Mai 2021

Neue Eskalation der Gewalt zwischen Palästinensern und Israel

Eine neue Eskalation der Gewalt zwischen Palästinensern und Israel wurde durch Zusammenstöße in Jerusalem zwischen Polizei und Palästinensern zunächst auf der Esplanade der Moscheen und dann im Viertel Sheikh Jarrah ausgelöst.

Erzbischof PIERBATTISTA PIZZABALLA, ofm Lateinischer Patriarch von Jerusalem „Was wir in diesen Tagen erleben, ist schrecklich, aber es ist die Folge einer langen Periode einer Politik der Verachtung. Es gibt nicht gleiche Rechte für alle, es gibt Bürger der Klasse A und B, und wir sehen es deutlich im täglichen Leben: Rechte, Besetzung und Siedlungen, Dinge, die wir schon kennen und die wir müde sind zu wiederholen. Aber das ist leider Alltag.“

Die Zusammenstöße griffen dann auf den Gazastreifen über. All dies hat zum Ausbruch eines Krieges geführt, dessen unschuldige Opfer Kinder sind. P. GABRIELLE ROMANELLI Lateinischer Gemeindepfarrer von Gaza „Die Kinder haben keine Zugehörigkeit, sie sind nicht mit einer Partei oder sonst etwas verbunden.“

P. YOUSSEF ASAAD Lateinischer Vikar von Gaza „Was nützt es, wenn ein Vater in der Blüte ihrer Jugend seine Kinder begräbt? Wer wird seine Tränen trocknen? Wer hat ein gebrochenes Herz in Gaza? Wer entschädigt einen Sohn, dessen Vater gestorben ist? Wer entschädigt eine Frau, die in jungen Jahren verwitwet? Wer wird die Person entschädigen, die eine Gliedmaße verloren hat oder verletzt und behindert wurde?“

Schwester NABILA SALEH Direktorin der Schule der Rosenkranzschwestern von Gaza „Aus meiner Sicht ist es ein Verlust für beide Seiten. Unsere Kinder haben bisher vier Kriege miterlebt. Stellen Sie sich die Psyche dieses Kindes vor, das sein Leben im Krieg verbracht hat, wie wird seine Zukunft aussehen! Er wird sein Leben lang Hass empfinden.“

Die Verwüstung in Gaza ist überall zu sehen, das Ergebnis schwerer Bombardierungen. Auch die Schule der Rosenkranzschwestern wurde beschädigt. Schwester NABILA SALEH Direktor der Schule der Schwestern vom Rosenkranz in Gaza „Sehen Sie hier, das ganze Gebäude hat Schaden genommen. Ich war seit Beginn der Bombardierung nicht mehr hier… oh Gott, oh mein Gott. Es gibt Schäden am Kindergarten: zerbrochene Fensterscheiben, Risse in den Wänden, aber was mich beunruhigt, ist das Fundament des Gebäudes, das durch die Bombardierung beschädigt worden sein könnte.“

Erzbischof PIERBATTISTA PIZZABALLA, OFM Lateinischer Patriarch von Jerusalem „Trotz alledem müssen wir Gläubigen, vor allem wir Christen, die wir Ostern, die Auferstehung unseres Herrn gefeiert und den Heiligen Geist empfangen haben, glauben, dass für Gott nichts unmöglich ist. Wir sind hier, um eine Gesellschaft aufzubauen, in der Liebe, Respekt und gegenseitiges Verständnis die Grundlage sind: das ist die erste Berufung von uns Christen des Heiligen Landes.“

Eine neue Eskalation der Gewalt, die wie die anderen durch das Ausbleiben einer Lösung der palästinensischen Frage angeheizt wird. Erzbischof PIERBATTISTA PIZZABALLA, OFM Lateinischer Patriarch von Jerusalem „Wir religiösen Führer, nicht nur Christen, sondern auch Muslime und Juden, müssen lehren, andere zu respektieren, auch wenn sie anders sind als wir. Die politischen Führer sollten aufhören, gegen andere zu sprechen und eine Gesellschaft aufbauen, in der jeder die gleichen Rechte und Pflichten hat.“

Christian Media Center

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8. Mai 2021

Nothilfe für Kinder im Libanon

Die Ordensgemeinschaft der Karmeliten führt im Norden Libanons mehrere Schulen, deren Weiterbestehen durch die politische, wirtschaftliche und gesundheitliche Krise in Frage gestellt sind. Der Provinzial der Karmeliter, Pater Raymond Abdo, bittet um Hilfe.

Schülerinnen und Schüler der Karmelitenschule in Kobayat

«Seit 2019 lebt der Libanon im Krisenmodus, der sich weiter verschärft. Vor einem Jahr haben die Banken alle Konten blockiert und zahlen nur noch kleinere Beträge und nur in  libanesischer Währung aus. . Dies gilt auch für die Konten unserer Ordensgemeinschaft. Von 2018 bis 2021 hat sich die Kaufkraft im Libanon um 90 Prozent verringert.

Die Familien unserer Schülerinnen und Schüler sind von schon Jahre anhaltenden Wirtschaftskrise massiv betroffen, die durch die Pandemie noch zusätzlich verschärft wird. Immer weniger Familien können die Schulgebühren ihrer Kinder bezahlen. Von Seiten des libanesischen Staates können wir keine Unterstützung erwarten.

Pater Raymond (Mitte) bittet um Hilfe

Von der französischen Regierung haben wir einen einmaligen Betrag über 30.000 Euro für unsere Primarschule in Tripolis erhalten, und einen weiteren Betrag über 77 Millionen libanesischen Pfund (10’000 Dollar) für die gleiche Schule. Das ist eine grosszügige Hilfe, aber unsere existenzbedrohenden Probleme sind damit nicht gelöst. Deswegen sind wir auf weitere Spenden angewiesen, damit wir unsere Bildungsauftrag weiterführen können.»

Pater Raymond Abdo, Provinzial der Karmeliten im Libanon

 

Spendenvermerk: Schule der Karmeliten in Kobayat

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11. März 2021

Vatikan: Heilig-Land-Kollekte ist elementar

Der Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, hat per Brief eindringlich für die Heilig-Land-Kollekte geworben. Ohne Hilfen drohe die die kleine christliche Gemeinde im Nahen Osten noch mehr zu schwinden, so Sandri.

 

Auch in allen Schweizer katholischen Pfarreien wird in den Gottesdiensten in der Karwoche die Kollekte für die Christinnen und Christen im Heiligen Land aufgenommen.

„Möge die Sammlung Pro Terra Sancta 2021 für alle Anlass sein, den Blick nicht abzuwenden, nicht einfach weiterzugehen, die Notsituationen und Schwierigkeiten unserer Brüder und Schwestern, die an den Heiligen Stätten leben, nicht zu ignorieren“, heißt es in dem an diesem Donnerstag vom Vatikan veröffentlichten Schreiben. Wenn diese „kleine Geste der Solidarität und des Teilens“ nachlasse, könnten viele Christen im Nahen Osten ihre Heimat verlassen. Nachlassende Hilfen wirkten sich zudem negativ auf die Bildungsarbeit der christlichen Schulen und das soziale Engagement der Kirche zugunsten der Armen und Leidenden aus. Nicht zuletzt müsse zudem für die Heiligen Stätten gesorgt werden, so der Kurienkardinal.

Einbußen bei der Kollekte 2020

Die traditionell als Karfreitagskollekte bekannte weltkirchliche Opfersammlung war im Jahr 2020 aufgrund der Pandemie in den Herbst verschoben worden. Kardinal Sandri berichtete, dass es dennoch in vielen Ländern Schwierigkeiten gab, die Sammlung durchzuführen und die Erlöse zurückgingen. Dabei wären aufgrund der Pandemie eigentlich mehr Hilfen nötig gewesen:

„In vielen Ländern hat das Fortbestehen von Kriegen und Sanktionen die Auswirkungen der Pandemie verschärft“

„Im Jahr 2020 litten die Christen dieser Länder unter einer Isolation, durch die sie sich noch mehr getrennt und abgeschnitten fühlten vom lebenswichtigen Kontakt mit den Schwestern und Brüdern aus der ganzen Welt. Sie leiden unter dem Verlust der Arbeit aufgrund des Ausbleibens der Pilger und der daraus resultierenden Schwierigkeit, in Würde leben und für ihre Familien und Kinder sorgen zu können. In vielen Ländern hat das Fortbestehen von Kriegen und Sanktionen die Auswirkungen der Pandemie verschärft“, führt Kardinal Sandri aus. Mit einem Zitat aus dem Schreiben „Fratelli tutti“, in dem Papst Franziskus 2020 gerade auch angesichts der Corona-Pandemie zu weltweiter Solidarität und Geschwisterlichkeit aufruft, mahnt der Kurienkardinal alle zu Nächstenliebe und konkreter Hilfe:

„Wir haben uns angewöhnt wegzuschauen“

„Sagen wir es so, in vieler Hinsicht haben wir Fortschritte gemacht, doch wir sind Analphabeten, wenn es darum geht, die Gebrechlichsten und Schwächsten unserer entwickelten Gesellschaften zu begleiten, zu pflegen und zu unterstützen. Wir haben uns angewöhnt wegzuschauen, vorbeizugehen, die Situationen zu ignorieren, solange uns diese nicht direkt betreffen.“(Fratelli tutti, 64).“

Hintergrund

Die Kollekte unter dem lateinischen Motto „Pro Terra Sancta“ (Für das Heilige Land) wurde von Papst Paul VI. (1963-1978) initiiert. Sie ist als Zeichen konkreter Solidarität für die in der Region lebenden Christen gedacht. Aufgrund der Corona-Pandemie fand im vergangenen Jahr die traditionelle Kollekte für das Heilige Land an unterschiedlichen Terminen statt. Dabei variieren die Stichtage zwischen der Kirche in Deutschland und der Weltkirche. Während die deutschen Bischöfe für den Palmsonntag und Karfreitag zu Spenden für Seelsorge- und Sozialprojekte im Nahen Osten aufriefen, wurde auf Ebene der Weltkirche die Kollekte am 13. September durchgeführt. Es handelte sich dabei um den Sonntag vor dem Fest Kreuzerhöhung (14. September), das wiederum thematisch eng mit dem Karfreitag verbunden ist.

(vatican news – sst)

 

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