Alle Aktualitäten

3. Juni 2019

Familien für den Wiederaufbau stärken

Der syrische Jesuit Pater Victor Assouad schlägt in einem Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur Fides Alarm. Nach acht Jahren Krieg sei die humanitäre Lage in Syrien verheerend.

85 Prozent oder 15,5 Millionen Menschen der aktuell 18,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Syriens hätten keinen Zugang zu sauberem Wasser oder zu intakten Sanitäranlagen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung lebe unter der Armutsgrenze. Zwei Drittel der Bevölkerung hätten ihre Häuser verlassen müssen. Der sogenannte islamische Staat habe zwar die meisten seiner besetzten Gebiete verloren, aber die Provinz Idlib würde immer noch von verschiedenen Rebellengruppen destabilisiert, auch wenn es Ansätze einer diplomatischen Lösung dieses Konflikts gebe. «Wir beginnen über die Rückkehr von Flüchtlingen zu sprechen», sagte Pater Victor. Er fordert eine Politik, welche die Familien in den Mittelpunkt stelle. «Die Familien sind das wichtigste Element, damit der Wiederaufbau in Syrien vorankommen kann.» Tatsächlich seien 50 000 von 1,2 Millionen Flüchtlingen aus dem Libanon nach Syrien zurückgekehrt. «Die Politik muss auf die Integration dieser Menschen achten, die alles verloren haben.» Es gehe nicht darum den Islam als Ursache der Gewalt anzuklagen, sondern die Wurzeln des Konflikts zu verstehen, der durch soziale Ungerechtigkeiten angeheizt worden sei. «Am allerwichtigsten ist, dass Kindern der Zugang zu angemessener Bildung ermöglicht wird, weil sie die Zukunft Syriens gestalten.»   Der Schweizerische Heiligland-Verein setzt sich besonders für die Stärkung von Familien und die Betreuung von Kindern in seinen Projekten in Syrien ein.

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1. Mai 2019

Aufmerksam werden – aufmerksam bleiben

Aufmerksam werden auf die politisch und wirtschaftlich schwierigen Verhältnisse in einer Region, mit der wir uns als Christinnen und Christen besonders verbunden fühlen. Aufmerksam bleiben auf eine Region, in der mehr als sieben Millionen Menschen als Flüchtlinge leben und die auch nach dem Abflauen des Syrienkriegs nicht zur Ruhe kommt.

Kinder in einem Flüchtlingscamp im Libanon, Copyright Unicef

 

Mit Ihrer Spende unterstützt der Schweizerische Heiligland-Verein etwa syrische Flüchtlingskinder im Libanon, die mit ihren Familien in unbeheizten und schlecht isolierten Blechhäusern in den Vororten von Beirut leben. Wo die meisten Eltern arbeitslos sind, und die Familien fürchten müssen, dass das Geld für die Miete nicht reicht. Wo die Kinder nur schwer in ein fremdes Schulsystem integriert werden können, weil das Erziehungssystem im Libanon so anders ist als in Syrien. Auch wenn das mediale Interesse sich nun wieder anderen Konfliktherden dieser Welt zuwendet, bleiben wir verbunden mit den Menschen in den Ländern des Heiligen Landes, wo sich Ordensleute und zahlreiche kirchliche Einrichtungen für das Wohl der notleidenden Menschen unabhängig ihrer Religion und ethnischen Herkunft einsetzen. Wir danken Ihnen für Ihre Solidarität mit unseren Schwestern und Brüdern in den Herkunftsländern des Christentums.

Andreas Baumeister, Pastoralassistent Aesch und Präsident des Schweizerischen Heiligland-Vereins

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25. Februar 2019

Im Kino: Capharnaum Stadt der Hoffnung

In einem Gerichtssaal in Beirut klagt der zwölfjährige Zain seine Eltern an, weil sie ihn in die Welt gesetzt haben. Er wird vernachlässigt, muss schon früh arbeiten und ist identitätslos, da seine Eltern kein Geld für einen Geburtsschein hatten. Zain flüchtet, als seine jüngere Schwester Sahar zwangsverheiratet wird. Er kommt bei der Migrantin Rahil unter, die illegal in einem Slum lebt. Tagsüber hütet er ihren einjährigen Sohn Yonas. Als Rahil unvermittelt nicht mehr zurückkommt, sind die Kinder auf sich allein gestellt und alle Verantwortung lastet nun auf Zain. Ein Film über das Schicksal eines syrischen Flüchtlingskinds im Libanon.

Die libanesische Regisseurin Nadine Labaki hat einen aufwühlenden Film gedreht. Sie arbeitete mit Laiendarstellern, die ihre Rolle grösstenteils mit ihrer eigenen Geschichte ausfüllen und also eigentlich nicht schauspielern, sondern vor allem sich selbst verkörpern. Zains Leistung ist ausserordentlich: seine Gesichtszüge und seine Worte fesseln, sein ganzer Ausdruck ist überragend und trägt den Film. In der Geschichte steht die extreme Not von Kindern und erwachsenen Menschen in krassem Kontrast zu bedingungs- und furchtloser Menschlichkeit und Nächstenliebe. «Capharnaum – Stadt der Hoffnung» porträtiert zwar lokale Begebenheiten, der Film gibt aber auch allen anderen Verdrängten und Leidenden auf der Welt eine Stimme, denen ein ähnliches Schicksal widerfährt. Ein intensiver und zwingender Film, der tief unter die Haut geht.

Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld und Mitglied bei Interfilm

«Capharnaum», Libanon 2018, Regie: Nadine Labaki; Besetzung: Zain Al Rafeea, Yordanos Shiferaw, Boluwatife Treasure Bankole; Verleih: Filmcoopi Zürich AG,

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21. Januar 2019

Bischof Felix Gmür reiste ins Heilige Land

Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Felix Gmür, nahm am 19. Internationalen Bischofstreffen im Heiligen Land teil. Das Treffen sollte die Verbundenheit der Weltkirche mit den Christinnen und Christen im Heiligen Land zum Ausdruck bringen. Begleitet wurde der Basler Bischof Felix Gmür, der seit Anfang Jahr die SBK präsidiert, vom Generalsekretär der Organisation, Erwin Tanner. Am Treffen nahmen Bischöfe von über zehn europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen sowie aus Südafrika teil.

Arabische Christinnen und Christen gehen weg

Die jährlich stattfindenden Treffen zielen darauf ab, die Verbundenheit der Weltkirche mit den Christinnen und Christen im Heiligen Land zum Ausdruck zu bringen und internationale Aufmerksamkeit für die Situation der Kirchen in der Region herstellen. Dieses Jahr lautete das Leitthema “Christen in Israel: Herausforderungen und Möglichkeiten”. Wegen der steten Abwanderung arabischer Christinnen und Christen und der gleichzeitigen Einwanderung katholischer Migratinnen und Migranten vor allem aus Asien sähen sich die christlichen Konfessionen vor erheblichen Veränderungen. (kath.ch)

 


Am Sonntag, 13. Januar, feierten die Bischöfe die Heilige Messe in Zababdeh, einem Dorf in den palästinensischen Autonomiegebieten, wo die Bischöfe auch mit den Mitgliedern Pfarrgemeinde zusammenkamen.

Besuche bei christlichen Bürgermeistern

Hauptort des Aufenthalts im Heiligen Land war die Hafenstadt Haifa im Norden Israels. Dort fand auch eine Tagung mit Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften statt. Teil des Treffens waren auch Besuche in einem Krankenhaus und einem Haus für behinderte Kinder sowie ein Treffen mit christlichen Bürgermeistern verschiedener Städte in Nordisrael. (bal)

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29. Dezember 2018

Welcome to Bethlehem

Hier leben Menschen wie in einem grossen Gefängnis. Blockaden und Checkpoints rauben ihnen Zeit und Lust, etwas ausserhalb der Sperrzone zu unternehmen. Ein Recht, sich normal zu bewegen, gibt es für sie nicht. In den beiden grossen Flüchtlingslagern der Stadt, Aida und Dhesche, kommt es täglich zu Scharmützeln mit dem israelischen Militär. Frauen, Männer und Kinder leben im Alarmzustand. Nachts wachen sie erschrocken auf, weil Schüsse fallen. Angst und Gefahr verdunkeln ihr Leben. Vor 2000 Jahren wurde hier ein Hoffnungskind geboren. Die Reise seiner Mutter und seines Pflegevaters in die Stadt Davids war keine freiwillige, sondern von der römischen Besatzungsmacht befohlen. In der Herberge war kein Platz. Es gab kein Bett für die Gebärende und das Kind. Im Dunkeln leuchteten nur ein Stern und ein Glanz von Engeln. Und ein Hirtenlied vom Frieden war zu hören.

 

Bethlehem heute: Die Friedenstaube ist im Visier eines Scharfschützen, sie braucht eine Panzerweste – Graffiti des britischen Streetart-Künstlers Banksy, etwa 300 Meter entfernt vom Kontrollposten der Mauer in Bethlehem (Aufnahme aus dem Jahr 2015). | © Michael Meier

 

In Bethlehem ist das Evangelium der Liebe zur Welt gekommen. Friede wird gesät, wo Menschen trotz allem dem Menschen als Mensch begegnen, über alle Grenzen von Rasse, Nationalität und Religion hinweg. Bethlehem – Ort, wo der palästinensisch-is­raelische Konflikt brennt. Bethlehem – Insel der Hoffnung, wo Menschen in zahlreichen christlichen Initiativen erfahren, dass sie eine Würde besitzen und wertvoll sind. Etwa im Caritas Baby Hospital, im Holy-Child-Projekt, der Handwerkerschule oder der SIRA .

Andreas Baumeister, Präsident Schweizerischer Heiligland-Verein

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29. November 2018

Israelisches Militär konfisziert kirchliches Land in den besetzten Gebieten

Unser Partner Joseph Hazboun aus Ostjerusalem schlägt Alarm. Die israelische Besatzungsarmee im Westjordanland konfisziert widerrechtlich Land, das sich im Eigentum des lateinischen Patriarchats in Ostjerusalem befindet, um ein Militärlager darauf zu bauen. Wir geben den Brief in seinem Wortlaut wider:


Joseph Hazboun, Regionaldirektor des päpstlichen Hilfswerk Pontifical Mission

Beschlagnahmung von kirchlichem Eigentum und die Zukunft der christlichen Gemeinschaft

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Partnerinnen und Partner

Mit grosser Sorge und mit Nachdruck möchten wir euch auf ein Ereignis hinweisen, welches das Leben der Christinnen und Christen im Heiligen Land in Zukunft schwer belasten wird. Heute Morgen mussten wir die Nachricht entgegennehmen, dass die israelische Armee in den Dörfern Bardala und Tayseer im Jordantal und Tubas Land beschlagnahmte, das dem lateinischen Patriachat in Jerusalem gehört. Die israelische Armee möchte dieses Land für eigene Zwecke nutzen und höchstwahrscheinlich ein Militärlager darauf bauen.

Vor zwei Wochen diskutierte ich mit Erzbischof Pizzaballa, dem apostolischen Administrator, und mit dem apostolischen Nuntius von Jerusalem, Monsignore Leopoldo Pirelli, die Möglichkeit, wie kirchliches Eigentum in Erfahrung gebracht und dokumentiert werden kann, dass es einerseits von der lokalen christlich palästinensischen Gemeinschaft genutzt und dass Einkommen für sie daraus erwirtschaftet werden kann, und dass es andererseits geschützt werden kann. Beide ermutigten uns, dies zu tun und besonders Erzbischof Pizzaballa drang darauf, die Besitzrechte des kirchlichen Grundstücks in Tayaseer zu rekonstruieren, das nun von der israelischen Armee konfisziert wurde.

Wenn diese Beschlagnahmung nicht rückgängig gemacht wird, werden die negativen Auswirkungen dieses rechtswidrigen Akts für die palästinensische Gemeinschaft enorm sein. So werden in Zukunft der willkürlichen Gewalt der israelischen Armee keine Grenzen mehr gesetzt sein. Die Besatzungsarmee beraubt durch solche Akte die lokalen Gemeinschaften immer ihrer Kraft, wirtschaftlich existieren und sich selbst versorgen zu können.

Letzte Woche stellte das päpstliche Hilfswerk „Pontifical Mission“ ein Expertenteam zusammen, das nun Massnahmen prüfen und Vorschläge erarbeiten soll, wie zwei bisher nicht genutzte Grundstücke in Jerusalem und in der Westbank sinnvoll genutzt werden können.

Bitte prüft auch Ihr Möglichkeiten, wie Ihr gegen die illegalen Beschlagnahmungen der israelischen Besatzungsarmee protestieren und wie politischer Druck aufgebaut werden kann. Jede Form von Unterstützung von eurer Seite ist willkommen.

Joseph Hazboun, Regionaldirektor Pontifical Mission, Jerusalem

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14. November 2018

Hoffnung für traumatisierte Kinder

Unter anderem mit Musik und Zeichnen lernen 200 traumatisierte Kinder, ihreGefühle auszudrücken und das Erlebte zu verarbeiten.Nach sieben Jahren ist der Syrienkrieg eine der grössten humanitären Krisen weltweit. 3,1 Millionen Kinder sind innerhalb des Landes vertrieben. 30’000 Kinder wurden seit 2011 getötet, 6 Millionen Kinder in Syrien sind direkt oder indirekt Opfer von Gewalt, Entführung, Folter, Hunger, fehlender medizinischer Versorgung oder sexuellen Übergriffen.

Kinder lernen ihre Gefühle ausdrücken

Der Krieg zerstört die Familien

Der Krieg zerstört nicht nur Städte. Seine Konsequenzen wirken in jede Familie, in jedes Kind hinein. Verantwortliche der griechisch-melkitischen Kirche in Damaskus beobachten eine massive Zunahme häuslicher Gewalt. Kinder leben in prekären Verhältnissen und haben Angst vor ihren überforderten Eltern. Deswegen startet die melkitisch-griechische Kirche auf Initiative unseres diesjährigen Gastes an der Generalversammlung in Aesch BL, Metropolit Nicolas Antiba ein Projekt, das sich auf die psychologische Behandlung von Kinder und Jugendlichen von 6 bis 18 Jahren konzentriert.

Von Metropolit Nicolas Antiba initiiert

Mit speziellen Filmen und Aktivitäten wie Malen, Zeichnen, Basteln, Puppentheater, Musik oder handwerklichen Tätigkeiten lernen Kinder über ihre Gefühle zu sprechen und das Erlebte zu verarbeiten. In einem ersten Schritt werden 200 Kinder in Damaskus ausgewählt, denen geholfen werden soll. Unterstützen Sie das Projekt unseres syrischen Partners mit Ihrer Spende! CH 78 0900 0000 9000 0393 0, Vermerk „Hoffnung für traumatisierte Kinder“

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2. Oktober 2018

Das Ende des Tunnels ist in Sicht

Im Gespräch mit „cath.ch“ zeigt sich Bischof Nicolas Antiba, der auf Einladung des Schweizerischen Heiliglandvereins in der Schweiz weilte, vorsichtig optimistisch, was das Ende des Syrienkonflikts anbelangt: „Das Ende des Tunnels ist in Sicht.“ Der syrische Prälat glaubt dennoch nicht, dass die Mehrheit der Christinnen und Christen, die das Land verlassen hätten, nach dem Krieg wieder in ihre Heimat zurückkehren würden. Seit 2018 ist er Patriarchalvikar der melikitisch-katholischen Kirche in Damaskus.

 

Monsignore Antiba wurde 2013 zum Bischof der Diözese Bosra, Hauran und Jabal-el-Arab gewählt und von Papst Franziskus bestätigt. Der Sitz des Bischofs ist das Dorf Khabab, ein kleiner, christlicher Marktflecken im Regierungsbezirk Deraa – dieses Gebiet blieb in den ersten Jahren des Bürgerkriegs vom Krieg verschont. 2016 und 2017 wurde es aber Opfer mehrerer Granatenangriffe sogenannter gemässigter Rebellen, die von Saudi-Arabien, Katar und den arabischen Emiraten unterstützt werden.

Viele Christinnen und Christen sind nach Europa, Kanada und die USA geflohen

Vor dem Krieg hatte Khabab 8’000 Einwohnerinnen und Einwohner, heute sind es noch 3’000. 5’000 Menschen sind nach Europa, Kanada, die USA und Australien geflohen. Der Bischof erzählt: „Kürzlich habe ich einen Gottesdienst in der katholischen Kathedrale in Montreal in Kanada gefeiert und dort zahlreiche Gläubige aus meinem Bistum wieder getroffen, die mir versicherten: Monsignore, Sie sind immer noch unser Bischof.“

Seit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien, der im März 2011 mit Demonstrationen in Deraa in seiner ehemaligen Diözese begann, seien über Jordanien eine grosse Zahl von ausländischen, islamistischen Söldern nach Syrien eingedrungen. Diese sogenannten Rebellen kämen aus der arabischen Halbinsel, aus Libyen, dem Irak, Nordafrika, Afghanistan und Tschetschenien, und sogar aus Uigurien in China sowie Europa über die Türkei und den Irak nach Syrien. Das Ziel dieser Söldner sei die Errichtung eines islamischen Kalifats.

Die Rebellen benutzen in Idlib die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde

Diese sogenannten Rebellen seien für die meisten Syrer keine Syrer. Sie hätten sich nun in die Provinz Idlib zurückgezogen und benutzten die dortige Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde. Viele ihrer Anführer sprächen kein Arabisch und benötigten Übersetzer, um sich mit der lokalen Bevölkerung verständigen zu können. Viele Städte wären von ihren ursprünglichen Bewohnerinnen und Bewohner aufgegeben worden. Ihre Häuser hätten später dschihadistisch eingestellte Leute besetzt.

In seiner ehemaligen Diözese im Regierungsbezirk Deraa, seien die Rebellen von Regierungstruppen verdrängt worden. Die freie syrische Armee allerdings, wenn sie es denn je gegeben hätte, existierte nicht mehr. Am Anfang des Krieges wären die unteren Offiziere mit Geld geködert worden. Später hätten viele von ihnen das Land Richtung Europa verlassen. Danach sei der Anteil der Islamisten und Dschihadisten in der Armee stark gestiegen.

Der Exodus der christlichen Bevölkerung hält an

Die Versöhnung sei in vielen Dörfern in ganz Syrien, wo die Infrastruktur wieder funktionieren würde, auf gutem Weg. Der Governeur von Deraa etwa träfe sich regelmässig mit islamischen und christlichen Führern. Er selbst hätte auch schon an solchen Treffen teilgenommen, um das friedliche Zusammenleben der verschiedenen religiösen Bevölkerungsgruppen zu fördern. Eine solche Aussöhnung fände sogar in Dörfern statt, wo Kirchen zerstört, die christliche Bevölkerung vertrieben und ihre Häuser geplündert und verwüstet worden wären. Der Bischof mache sich allerdings keine grosse Illusionen, dass die Christinnen und Christen, die ins Ausland immigriert seien, wieder zurückkehren würden. Sogar im Tal der Christinnen und Christen nahe der libanesischen Grenze würde der Exodus der christlichen Bevölkerung anhalten.

Seit die Regierungsgruppen die Rebellen aus der Provinz Ostgouta und aus den Randquatieren rund um Damaskus vertrieben hätten, sei es ruhig in der Hauptstadt. Nach der Evakuierung der Rebellen in das Gebiet Idlib, hätten Monsignore Anita und der orthodoxe Patriarch zusammen Ostgouta besucht. Sie hätten bei diesem Besuch schreckliche Zerstörungen gesehen. Monsignore Antiba und der orthodoxe Patriarch würden sich nun für die Unterstützung der Christinnen und Christen in Ostgouta einsetzen, die nun in Flüchtlingsunterkünften in Damaskus leben würden. Es seien 3’000 bis 4’000 Menschen. Der Bischof hoffe, dass sie wieder in ihr Zuhause in Ostgouta zurückkehren könnten. Aber der Aufbau der zerstörten Häuser bräuchte Zeit.

Zusammenfassung des Gesprächs von Jacques Berset mit Bischof Nicolas Antiba am 19.9.2018: Das Orginalinterview in Französisch

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2. Oktober 2018

Pressemitteilung zur GV vom 17. September 2018

Am Montag, 17. September 2018, fand im katholischen Pfarreiheim in Aesch BL die ordentliche Generalversammlung 2018 des Schweizerischen Heiligland-Vereins in Aesch statt. Neu wurde Andreas Baumeister zum Präsidenten und Ludwig Spirig-Huber zum Vize-Präsidenten des Vereins gewählt.

Metropolit Nicolas Antiba, Patriachalvikar der griechisch-katholisch melkitischen Kirche aus Damaskus/Syrien, referierte über die prekäre Lage der Christinnen und Christen in seiner Heimat. Bischof Antiba berichtete von Gewalt, Entführungen und Terror von islamistischen Rebellengruppen, die sich in den letzten beiden Jahren gezielt auch gegen christliche Dörfer und Einrichtungen, insbesondere in seiner ehemaligen Diözese Hauran in Südsyrien richtete, die auf die systematische Vertreibung der christlichen Bevölkerung aus einem der Ursprungsländer des Christentums zielte. Er kritisierte den Westen, welcher der systematischen Gewalt in Syrien keinen Einhalt gebieten würde und der die Waffenlieferungen durch die Türkei und durch arabische Länder an die verschiedenen Kriegsparteien weiter tolerierte.

Das östliche Christentum, das zu verschwinden drohe, stände in dieser Region für Freiheit, Humanität und Pluralität. Die Zahl junger Muslime, die heimlich zum Christentum konvertieren würden, weil sie sie ihre Geburtsreligion als unglaubwürdig erleben würde, nähme zu. Besonders viele junge Christinnen und Christen besuchten das Gebet für den Frieden in der griechisch-melkitischen Kathedrale in Damaskus, das er jeden Sonntagabend anbieten würde. Metropolit Antiba dankte dem Schweizerischen Heiligland-Verein für die jahrelange Unterstützung, die Landwirtschaftsprojekte, Wiederaufbauprojekte und Nothilfe für Hilfsbedürftige ermöglichen würde. «Trotz allem bin ich voller Hoffnung auf ein Syrien nach dem Krieg», beschloss er seinen Vortrag.

Schweizerischer Heiligland-Verein, Aesch BL, 17. September 2018

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30. Juli 2018

Papst Tawadros II. sieht in der Entchristlichung des Nahen Ostens Gefahr für den Weltfrieden

Der koptische Papst Tawadros II. warnt vor einer Entchristlichung des Nahen Ostens und sieht darin eine Gefahr für den Weltfrieden. Die Region sei eigentlich “ein einziges Land und eine Wiege der Religionen, die in religiösen Prinzipien und
spirituellen Werten verwurzelt” sei, sagte das 118. Kirchenoberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche auf dem Stuhl des Evangelisten Markus laut örtlichen Medienberichten im Libanon. Tawadros II. nimmt dort am jährlichen Treffen der Patriarchen der Ostkirchen in Bikfaya teil. Sein Heimatland Ägypten lobte Tawadros II. laut Medienberichten für seine Vorreiterrolle im Kampf gegen Terrorismus in der Region und weltweit.

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