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3. November 2019

Hilfe für die «Phantomkinder» von Aleppo

Im verwüsteten Osten der einstigen syrischen Handelsmetropole, wo bis Ende 2016 die IS-Kämpfer gewütet haben, leben zwischen 3000 und 5000 Kinder ohne anerkannte Identität. Sie können keine Schulen besuchen und erhalten keinen Zugang zur öffentlichen Grundversorgung. Der Franziskanerpater Firas Lutfi hat mit Unterstützung von Bischof und Grossmufti das Projekt «Ein Name – eine Zukunft» initiiert, das Hoffnung schenkt. Dieses Projekt lanciert der Schweizerische Heiligland-Verein in den nächsten Wochen als seine Herbstaktion 2019.

 

Pater Firas Lutfi schenkt Kindern und ihren Mütter mit seinem Projekt „Ein Name – eine Zukunft“ neue Hoffnung.

 

Während vier Jahren verlief eine Frontlinie des Syrien-Krieges mitten durch die einst blühende Stadt Aleppo. Als die Dschihadisten im Dezember 2016 aus Aleppos Osten vertrieben wurden, liessen sie eine zu 70 Prozent zerstörte Stadt zurück – und zahllose Kinder und Frauen. Viele der fast 5000 Kinder im Alter von drei bis acht Jahren stammen aus Beziehungen zwischen IS-Kämpfern und syrischen Frauen, oft wurden sie nach Vergewaltigungen oder Missbrauch geboren. Diese Kinder und Frauen wurden wegen ihrer Verbindung zur Miliz sich selbst überlassen.

Ohne Registrierung kein Zugang zur Grundversorgung

Eine entscheidende erste Hilfe für die «Kinder ohne Namen» ist ihre Anmeldung bei den Behörden. Der Franziskanerpater Firas Lutfi hat deshalb das Hilfsprojekt «Ein Name – eine Zukunft» ins Leben gerufen. Bereits konnten rund 100 Kinder offiziell registriert und ihnen damit zu einer Identität verholfen werden. Der Prozess verlangt viel Geduld, weil das islamische Recht keine Adoption kennt und die Kinder deshalb nur unter Ausnahmebedingungen von muslimischen Familien «angenommen» werden dürfen.

Es gibt Kinder, die noch gar nie eine Schule besucht haben. In bestimmten Gegenden gab es nur den Koran – keine Mathematik, keinen Geschichtsunterricht, keine Geographie oder Kunsterziehung. «Deswegen versuchen wir nun in speziellen Kursen, für diese Kinder die Bildungslücken zu schliessen», sagt Pater Firas, «wir unterstützen auch Kinder und Jugendliche, die schwere körperliche Arbeit verrichten müssen oder unter Gewalt leiden. Wir bieten Physiotherapie für Menschen mit Beeinträchtigungen. Und wir arbeiten mit Psychologinnen und Psychotherapeutinnen zusammen».

Bischof und Grossmufti stehen gemeinsam dahinter

Die Initiative von Pater Firas kam dank der freundschaftlichen Beziehung zwischen dem Bischof von Aleppo, Monsignore Georges Abou Khazen, und Aleppos Grossmufti, Mahmoud Akkam, zustande. «Das Ziel unseres Projektes,» berichtet der Bischof, «ist das Vertrauen der Kinder in die Zukunft wiederherzustellen. Einige Kinder, die ich kennengelernt habe, waren so traumatisiert, dass sie nicht sprechen konnten. Nachdem wir sie in unserem Zentrum willkommen geheissen haben, haben sie das Vertrauen ins Leben zurückgewonnen, ihr Blick hat sich verändert, das Lächeln ist in ihre Gesichter zurückgekehrt.»

Es wird Jahre dauern, die Traumata zu überwinden

«Die Mütter und Kinder haben Angst vor uns, Angst vor dem anderen. Ihr Leben wurde über Jahre geprägt von Missbrauch, Gewalt und Isolation. Glücklicherweise erleben wir immer wieder Erfolgsgeschichten von Kindern, die die Traumata langsam überwinden“, sagt Pater Firas Lutfi. «Es wird Jahre dauern, aber wir können nicht, wir dürfen nicht aufhören».

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24. Oktober 2019

Wenn der Himmel sich spaltet

«Al-Shafaq, Wenn der Himmel sich spaltet», Film über einen jungen Schweizer Jihad-Reisenden, anschliessend Podiumsdiskussion mit Esen Işık (Regisseurin), Andreas Tunger-Zanetti (Universität Luzern), Milaim Çallaku (Student an der Pädagogischen Hochschule Luzern) und Hannan Salamat (Moderation), Sonntag, 3. November 2019, 18.00 – ca. 21.00 Uhr. Luzern, Löwenplatz 11, Kino Bourbaki.

 

 

Die Familie Kara aus Zürich wird durch den strenggläubigen Vater Abdullah dominiert. Emine, die Mutter, versucht das Regime ihres Mannes auszugleichen und all ihren Kindern Liebe und den Glauben an Allah gleichermassen zu schenken. Während ihr ältester Sohn Kadir und ihre Tochter Elif ihren Platz in der türkischen Familie wie auch der westlichen Welt gefunden haben, kämpft ihr jüngster Sohn Burak mit der fehlenden Anerkennung seines Vaters und seiner Suche nach einer Identität zwischen den Welten. Als Burak den Koran in das Zentrum seiner Weltanschauung stellt merken Abdullah und Emine zu spät, dass Burak ihnen bereits entglitten und auf dem Weg in den heiligen Krieg ist. Der Vater macht sich auf im türkisch-syrischen Grenzgebiet seinen Sohn zu suchen. Zwischen Orient und Okzident schenkt ihm die schicksalshafte Begegnung mit dem kurdischen Jungen Malik eine zweite Chance.

 

Premieren in Anwesenheit von Esen Isik

Dienstag, 29. Oktober – kult.kino Camera, Basel – 20:30
mit Esen Işık und Cast und Crew
Moderation Amira Hafner-Al Jabaji (SRF Sternstunde Religion)

Vorverkauf

Mittwoch, 30. Oktober – Riffraff 3, Zürich – 20:30
mit Esen Işık und Cast und Crew

Vorverkauf

Mittwoch, 30. Oktober – Riffraff 1, Zürich – 21:00
mit Esen Işık und Cast und Crew

Vorverkauf

Donnerstag, 31. Oktober – CineClub, Bern – 20:15
mit Esen Işık, Nicoletta della Valle (Direktorin Fedpol) und Artan Morina (Schauspieler und Insider)

Vorverkauf

Freitag, 1. November Rex, Biel – 20:15
mit Esen Işık, André Duvillard (Sicherheitsverbund Schweiz) und Naima Serroukh (Tasamouh)

Vorverkauf

Samstag, 2. November – Kinok, St.Gallen – 18:30
mit Esen Işık

Vorverkauf

Sonntag, 3. November – Cameo, Winterthur – 11:00
mit Esen Işık und Hannan Salamat (Fachleiterin Islam ZIID – Zürcher Institut für Interreligiösen Dialog)

Vorverkauf

Sonntag, 3. November – Bourbaki 2, Luzern – 18:00
mit Esen Işık, Andreas Tunger-Zanetti (Zentrum Religionsforschung, Universität Luzern) und Milaim Çallaku (Muslim und Student Pädagogische Hochschule Luzern) Moderation Hannan Salamat (Fachleiterin Islam ZIID – Zürcher Institut für Interreligiösen Dialog).

Vorverkauf

 

 

 

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30. September 2019

Überleben in Zeiten des Kriegs

Am Montag, 16. September, fand die diesjährige Generalversammlung des Schweizerischen Heiligland-Vereins in Fribourg statt. Der Verein konnte eine ausgeglichene Rechnung präsentieren. Im vergangenen Jahr wurden etwa eine halbe Million Franken an etwa 30 ostkirchliche Projekte in den Bereichen Bildung, Sozialarbeit, Sozialpastoral und Nothilfe verteilt. Der Grossteil der Spenden stammt aus dem Karwochenopfer der Schweizer Bischöfe.

 

Teresa Cinquina von Pro Terra Santa berichtet über das Projekt „Ein Name – eine Zukunft“ in Aleppo

Auf der Versammlung traten das langjährige Vorstandsmitglied Ludwig Spirig-Huber und der seit zwei Jahren amtierende Vertreter für die Romandie, Pascal Burri, zurück. Neu gewählt wurde Boris Schlüssel, der als Vikar in Oberwil ZG arbeitet und durch einen einjährigen Studienaufenthalt in Jerusalem und durch zahlreiche Reisen nach Israel/Palästina mit den Christinnen und Christen im Nahen Osten verbunden ist.

GV Gast Pater Firas Lutfi musste seine Teilnahme absagen, da er kurz zuvor zum Ordensoberen der Franziskaner im Nahen Osten gewählt worden war. Kurzfristig konnte die Geschäftsführerin Teresa Cinquina von italienischen Partnerorganisation Pro Terra Santa für einen Vortrag zum Thema „Überleben in Zeiten des Kriegs. Eine Momentaufnahme der politischen und sozialen Situation in Syrien.“, gewonnen werden. Teresa Cinquina stellte auch das diesjährige Projekt „Ein Name – eine Zukunft“ vor, das der SHLV als Herbstaktion 2019 lancieren wird.

In diesem Projekt werden papierlose Kinder unterstützt: oft elternlos als Nachkommen von ISIS-Kämpfern hausen sie im Osten von Aleppo in den Trümmern der Stadt und besuchen keine Schule. Ihre Väter liessen sie und ihre Mütter Ende 2016 in der Stadt zurück, als sie entwaffnet in die Provinz Idlib übersiedelt worden sind. Der Verein wird später über dieses Projekt ausführlich noch berichten.

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23. August 2019

Soforthilfe Libanon

Sozialarbeiterin Nouhad Boustani leitet bei Beit-el-Nour in Beirut das Sozialzentrums in Sabra-Chatila und bittet um Ihre Unterstützung für…

 

 

… den neunjährigen Moussa, dessen Vater während des Syrienkriegs vor fünf Jahren verschwunden ist. Moussa ist zusammen mit seiner Mutter und zwei jüngeren Brüdern vor neun Monaten im Libanon angekommen und lebt mit seiner Familie in einem einzigen Raum in der Nähe des Zentrums. Der Junge hat praktisch sein ganzes Leben unter den Bedingungen des Krieges verbracht und dabei schwere Bombardierungen, den Tod enger Familienmitglieder und das Verschwinden seines Vaters erlebt. Er ist schwer traumatisiert, hat sich stark zurückgezogen und ist noch nicht in der Lage, eine Schule zu besuchen. Moussa vermisst seinen Vater und fragt sich immer wieder, warum er verschwunden ist. Das Kind benötigt dringend psychosoziale Betreuung.

… R.M., eine Libanesin aus der Bekaaebene.Sie ist 36 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn namens Rody. Sie wurde wegen Betrugs verhaftet und ins Gefängnis von Baabda geschickt. R.M. heiratete ohne Einverständnis ihrer Familie, die ihren Mann ablehnte und sich nach ihrer Heirat von ihnen distanzierte. Sie glaubte, dass ihr Mann ein ehrlicher Mensch sei. Als sie von seinen Machenschaften, dem Drogenhandel, Diebstahl und Betrug, erfuhr, verschloss sie die Augen, denn sie wollte ihren Sohn und die Beziehung schützen. Doch sie wurde mit Mitmachen gezwungen, weil ihr Mann gewalttätig wurde und ihr drohte, das Kind wegzunehmen. R.M. benötigt einen juristischen Beistand.

… eine syrische Flüchtlingsfamilie, in der der Vater psychisch erkrankt ist und die zerbrechliche, überforderte Mutter darum kämpft, ihre drei Kinder durchzubringen. Eines der Kinder ist geistig behindert, dazu hat die Familie bei einer Bombenexplosion in Syrien eine zwölfjährige Tochter verloren. Die Familie hat nicht genug zu essen, weshalb die Mutter eine Arbeit sucht, um ihre Familie zu unterstützen. Auch die drei Buben müssen mithelfen; sie verkaufen Blumen und Wasserflaschen, kommen aber oft mit leeren Händen zurück, weil sie von anderen Kindern auf der Strasse angegriffen werden. Die Familie benötigt dringend eine finanzielle Unterstützung.

… zwei Eltern, die an Krebs erkrankt sind. Es scheint, dass Umweltverschmutzung, Lebensmittelverunreinigung, Rauchen usw. eine grosse Rolle bei der Zunahme von Krebs spielen. Nach Angaben des „CIRC“ (International Centre for Cancer Research) ist die Krebsrate im Libanon die höchste unter den Ländern des östlichen Mittelmeerraums.

Spendenvermerk: Soforthilfe Beit el-Nour

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3. Juni 2019

Familien für den Wiederaufbau stärken

Der syrische Jesuit Pater Victor Assouad schlägt in einem Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur Fides Alarm. Nach acht Jahren Krieg sei die humanitäre Lage in Syrien verheerend.

85 Prozent oder 15,5 Millionen Menschen der aktuell 18,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Syriens hätten keinen Zugang zu sauberem Wasser oder zu intakten Sanitäranlagen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung lebe unter der Armutsgrenze. Zwei Drittel der Bevölkerung hätten ihre Häuser verlassen müssen. Der sogenannte islamische Staat habe zwar die meisten seiner besetzten Gebiete verloren, aber die Provinz Idlib würde immer noch von verschiedenen Rebellengruppen destabilisiert, auch wenn es Ansätze einer diplomatischen Lösung dieses Konflikts gebe. «Wir beginnen über die Rückkehr von Flüchtlingen zu sprechen», sagte Pater Victor. Er fordert eine Politik, welche die Familien in den Mittelpunkt stelle. «Die Familien sind das wichtigste Element, damit der Wiederaufbau in Syrien vorankommen kann.» Tatsächlich seien 50 000 von 1,2 Millionen Flüchtlingen aus dem Libanon nach Syrien zurückgekehrt. «Die Politik muss auf die Integration dieser Menschen achten, die alles verloren haben.» Es gehe nicht darum den Islam als Ursache der Gewalt anzuklagen, sondern die Wurzeln des Konflikts zu verstehen, der durch soziale Ungerechtigkeiten angeheizt worden sei. «Am allerwichtigsten ist, dass Kindern der Zugang zu angemessener Bildung ermöglicht wird, weil sie die Zukunft Syriens gestalten.»   Der Schweizerische Heiligland-Verein setzt sich besonders für die Stärkung von Familien und die Betreuung von Kindern in seinen Projekten in Syrien ein.

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1. Mai 2019

Aufmerksam werden – aufmerksam bleiben

Aufmerksam werden auf die politisch und wirtschaftlich schwierigen Verhältnisse in einer Region, mit der wir uns als Christinnen und Christen besonders verbunden fühlen. Aufmerksam bleiben auf eine Region, in der mehr als sieben Millionen Menschen als Flüchtlinge leben und die auch nach dem Abflauen des Syrienkriegs nicht zur Ruhe kommt.

Kinder in einem Flüchtlingscamp im Libanon, Copyright Unicef

 

Mit Ihrer Spende unterstützt der Schweizerische Heiligland-Verein etwa syrische Flüchtlingskinder im Libanon, die mit ihren Familien in unbeheizten und schlecht isolierten Blechhäusern in den Vororten von Beirut leben. Wo die meisten Eltern arbeitslos sind, und die Familien fürchten müssen, dass das Geld für die Miete nicht reicht. Wo die Kinder nur schwer in ein fremdes Schulsystem integriert werden können, weil das Erziehungssystem im Libanon so anders ist als in Syrien. Auch wenn das mediale Interesse sich nun wieder anderen Konfliktherden dieser Welt zuwendet, bleiben wir verbunden mit den Menschen in den Ländern des Heiligen Landes, wo sich Ordensleute und zahlreiche kirchliche Einrichtungen für das Wohl der notleidenden Menschen unabhängig ihrer Religion und ethnischen Herkunft einsetzen. Wir danken Ihnen für Ihre Solidarität mit unseren Schwestern und Brüdern in den Herkunftsländern des Christentums.

Andreas Baumeister, Pastoralassistent Aesch und Präsident des Schweizerischen Heiligland-Vereins

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25. Februar 2019

Im Kino: Capharnaum Stadt der Hoffnung

In einem Gerichtssaal in Beirut klagt der zwölfjährige Zain seine Eltern an, weil sie ihn in die Welt gesetzt haben. Er wird vernachlässigt, muss schon früh arbeiten und ist identitätslos, da seine Eltern kein Geld für einen Geburtsschein hatten. Zain flüchtet, als seine jüngere Schwester Sahar zwangsverheiratet wird. Er kommt bei der Migrantin Rahil unter, die illegal in einem Slum lebt. Tagsüber hütet er ihren einjährigen Sohn Yonas. Als Rahil unvermittelt nicht mehr zurückkommt, sind die Kinder auf sich allein gestellt und alle Verantwortung lastet nun auf Zain. Ein Film über das Schicksal eines syrischen Flüchtlingskinds im Libanon.

Die libanesische Regisseurin Nadine Labaki hat einen aufwühlenden Film gedreht. Sie arbeitete mit Laiendarstellern, die ihre Rolle grösstenteils mit ihrer eigenen Geschichte ausfüllen und also eigentlich nicht schauspielern, sondern vor allem sich selbst verkörpern. Zains Leistung ist ausserordentlich: seine Gesichtszüge und seine Worte fesseln, sein ganzer Ausdruck ist überragend und trägt den Film. In der Geschichte steht die extreme Not von Kindern und erwachsenen Menschen in krassem Kontrast zu bedingungs- und furchtloser Menschlichkeit und Nächstenliebe. «Capharnaum – Stadt der Hoffnung» porträtiert zwar lokale Begebenheiten, der Film gibt aber auch allen anderen Verdrängten und Leidenden auf der Welt eine Stimme, denen ein ähnliches Schicksal widerfährt. Ein intensiver und zwingender Film, der tief unter die Haut geht.

Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld und Mitglied bei Interfilm

«Capharnaum», Libanon 2018, Regie: Nadine Labaki; Besetzung: Zain Al Rafeea, Yordanos Shiferaw, Boluwatife Treasure Bankole; Verleih: Filmcoopi Zürich AG,

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21. Januar 2019

Bischof Felix Gmür reiste ins Heilige Land

Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Felix Gmür, nahm am 19. Internationalen Bischofstreffen im Heiligen Land teil. Das Treffen sollte die Verbundenheit der Weltkirche mit den Christinnen und Christen im Heiligen Land zum Ausdruck bringen. Begleitet wurde der Basler Bischof Felix Gmür, der seit Anfang Jahr die SBK präsidiert, vom Generalsekretär der Organisation, Erwin Tanner. Am Treffen nahmen Bischöfe von über zehn europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen sowie aus Südafrika teil.

Arabische Christinnen und Christen gehen weg

Die jährlich stattfindenden Treffen zielen darauf ab, die Verbundenheit der Weltkirche mit den Christinnen und Christen im Heiligen Land zum Ausdruck zu bringen und internationale Aufmerksamkeit für die Situation der Kirchen in der Region herstellen. Dieses Jahr lautete das Leitthema „Christen in Israel: Herausforderungen und Möglichkeiten“. Wegen der steten Abwanderung arabischer Christinnen und Christen und der gleichzeitigen Einwanderung katholischer Migratinnen und Migranten vor allem aus Asien sähen sich die christlichen Konfessionen vor erheblichen Veränderungen. (kath.ch)

 


Am Sonntag, 13. Januar, feierten die Bischöfe die Heilige Messe in Zababdeh, einem Dorf in den palästinensischen Autonomiegebieten, wo die Bischöfe auch mit den Mitgliedern Pfarrgemeinde zusammenkamen.

Besuche bei christlichen Bürgermeistern

Hauptort des Aufenthalts im Heiligen Land war die Hafenstadt Haifa im Norden Israels. Dort fand auch eine Tagung mit Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften statt. Teil des Treffens waren auch Besuche in einem Krankenhaus und einem Haus für behinderte Kinder sowie ein Treffen mit christlichen Bürgermeistern verschiedener Städte in Nordisrael. (bal)

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29. Dezember 2018

Welcome to Bethlehem

Hier leben Menschen wie in einem grossen Gefängnis. Blockaden und Checkpoints rauben ihnen Zeit und Lust, etwas ausserhalb der Sperrzone zu unternehmen. Ein Recht, sich normal zu bewegen, gibt es für sie nicht. In den beiden grossen Flüchtlingslagern der Stadt, Aida und Dhesche, kommt es täglich zu Scharmützeln mit dem israelischen Militär. Frauen, Männer und Kinder leben im Alarmzustand. Nachts wachen sie erschrocken auf, weil Schüsse fallen. Angst und Gefahr verdunkeln ihr Leben. Vor 2000 Jahren wurde hier ein Hoffnungskind geboren. Die Reise seiner Mutter und seines Pflegevaters in die Stadt Davids war keine freiwillige, sondern von der römischen Besatzungsmacht befohlen. In der Herberge war kein Platz. Es gab kein Bett für die Gebärende und das Kind. Im Dunkeln leuchteten nur ein Stern und ein Glanz von Engeln. Und ein Hirtenlied vom Frieden war zu hören.

 

Bethlehem heute: Die Friedenstaube ist im Visier eines Scharfschützen, sie braucht eine Panzerweste – Graffiti des britischen Streetart-Künstlers Banksy, etwa 300 Meter entfernt vom Kontrollposten der Mauer in Bethlehem (Aufnahme aus dem Jahr 2015). | © Michael Meier

 

In Bethlehem ist das Evangelium der Liebe zur Welt gekommen. Friede wird gesät, wo Menschen trotz allem dem Menschen als Mensch begegnen, über alle Grenzen von Rasse, Nationalität und Religion hinweg. Bethlehem – Ort, wo der palästinensisch-is­raelische Konflikt brennt. Bethlehem – Insel der Hoffnung, wo Menschen in zahlreichen christlichen Initiativen erfahren, dass sie eine Würde besitzen und wertvoll sind. Etwa im Caritas Baby Hospital, im Holy-Child-Projekt, der Handwerkerschule oder der SIRA .

Andreas Baumeister, Präsident Schweizerischer Heiligland-Verein

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29. November 2018

Israelisches Militär konfisziert kirchliches Land in den besetzten Gebieten

Unser Partner Joseph Hazboun aus Ostjerusalem schlägt Alarm. Die israelische Besatzungsarmee im Westjordanland konfisziert widerrechtlich Land, das sich im Eigentum des lateinischen Patriarchats in Ostjerusalem befindet, um ein Militärlager darauf zu bauen. Wir geben den Brief in seinem Wortlaut wider:


Joseph Hazboun, Regionaldirektor des päpstlichen Hilfswerk Pontifical Mission

Beschlagnahmung von kirchlichem Eigentum und die Zukunft der christlichen Gemeinschaft

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Partnerinnen und Partner

Mit grosser Sorge und mit Nachdruck möchten wir euch auf ein Ereignis hinweisen, welches das Leben der Christinnen und Christen im Heiligen Land in Zukunft schwer belasten wird. Heute Morgen mussten wir die Nachricht entgegennehmen, dass die israelische Armee in den Dörfern Bardala und Tayseer im Jordantal und Tubas Land beschlagnahmte, das dem lateinischen Patriachat in Jerusalem gehört. Die israelische Armee möchte dieses Land für eigene Zwecke nutzen und höchstwahrscheinlich ein Militärlager darauf bauen.

Vor zwei Wochen diskutierte ich mit Erzbischof Pizzaballa, dem apostolischen Administrator, und mit dem apostolischen Nuntius von Jerusalem, Monsignore Leopoldo Pirelli, die Möglichkeit, wie kirchliches Eigentum in Erfahrung gebracht und dokumentiert werden kann, dass es einerseits von der lokalen christlich palästinensischen Gemeinschaft genutzt und dass Einkommen für sie daraus erwirtschaftet werden kann, und dass es andererseits geschützt werden kann. Beide ermutigten uns, dies zu tun und besonders Erzbischof Pizzaballa drang darauf, die Besitzrechte des kirchlichen Grundstücks in Tayaseer zu rekonstruieren, das nun von der israelischen Armee konfisziert wurde.

Wenn diese Beschlagnahmung nicht rückgängig gemacht wird, werden die negativen Auswirkungen dieses rechtswidrigen Akts für die palästinensische Gemeinschaft enorm sein. So werden in Zukunft der willkürlichen Gewalt der israelischen Armee keine Grenzen mehr gesetzt sein. Die Besatzungsarmee beraubt durch solche Akte die lokalen Gemeinschaften immer ihrer Kraft, wirtschaftlich existieren und sich selbst versorgen zu können.

Letzte Woche stellte das päpstliche Hilfswerk „Pontifical Mission“ ein Expertenteam zusammen, das nun Massnahmen prüfen und Vorschläge erarbeiten soll, wie zwei bisher nicht genutzte Grundstücke in Jerusalem und in der Westbank sinnvoll genutzt werden können.

Bitte prüft auch Ihr Möglichkeiten, wie Ihr gegen die illegalen Beschlagnahmungen der israelischen Besatzungsarmee protestieren und wie politischer Druck aufgebaut werden kann. Jede Form von Unterstützung von eurer Seite ist willkommen.

Joseph Hazboun, Regionaldirektor Pontifical Mission, Jerusalem

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