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21. September 2020

Damit die Flamme der Hoffnung nicht erlischt – GV in Sursee

Am Montag, 21. September, fand die diesjährige Generalversammlung des Schweizerischen Heiligland-Vereins in Sursee statt. Dank eines grosszügigen Legats konnte der Verein im Vorcoronajahr 2019 einen Gewinn von über 20‘000 Franken ausweisen. Im vergangenen Jahr wurden knapp eine halbe Million Franken an etwa 30 ostkirchliche Projektpartner im Libanon, in Syrien, im Irak, in Israel und Palästina sowie in Ägypten in den Bereichen Bildung, Sozialarbeit, Sozialpastoral und Nothilfe ausbezahlt. Der Grossteil der Spenden stammt aus dem Karwochenopfer der Schweizer Bischöfe.

Schwester Jocelyne Joumaa aus Jabboulé, einem Dorf an der libanesisch-syrischen Grenze, wurde per ZOOM live zugeschaltet.

Auf der Versammlung wurde in einer Erneuerungswahl der gesamte Vorstand einstimmig wiedergewählt. GV Gast Schwester Jocelyne Joumaa aus Jabboulé, einem Dorf in der Bekaa-Ebene an der libanesisch-syrischen Grenze, konnte wegen der anhaltenden Wirtschafts- und Gesundheitskrise im Libanon nicht in die Schweiz kommen und wurde per ZOOM live zugeschaltet. Sie berichtete von der katastrophalen Lebenssituation im Zedernstaat. „Wir leben von einem Moment zum nächsten. Wir wissen nicht, was morgen ist. Wir haben keine Perspektive. Alles ist unsicher, alles ist bedroht.“ Ob die beiden Schulen der Schwesterngemeinschaft wie geplant Ende September öffnen könnten, sei immer noch ungewiss. Der libanesischstämmige Pfarrer Samih Raad aus Metz erklärte in seinem Vortrag die historische Vorgeschichte aus Parteienzwist, religiösen Konflikten und Korruption im Libanon, die zur aktuellen Politik- und Wirtschaftskrise führte.

Pater Samih Raad aus Metz war Gast an der Mitgliederversammlung in Sursee.

An der Mitgliederversammlung lancierte der Vorstand das diesjährige Schwerpunktprojekt, das Spenden für das Bezahlen der Löhne der Lehrpersonen an den beiden Schulen der Schwestern von Jabboulé sammelt, damit diese Leuchttürme in der libanesischen Bildungslandschaft weiter strahlen können.

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9. September 2020

Im Fokus – «Damit die Flamme der Hoffnung nicht erlischt!»

Unter schwierigsten Verhältnissen halten die Schwestern von Jabboulé in der Bekaa-Ebene an der libanesisch-syrischen Grenze die Flamme der Humanität und Nächstenliebe am Brennen. Der Libanon steht vor dem Staatsbankrott. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt bereits unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen, steigt rasant. Mehr als eineinhalb Millionen syrische Flüchtlinge leben in einem Land mit sieben Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Zehntausende von Menschen ohne Zukunft hausen in Palästinenserlagern im ganzen Land.

 

Während viele Menschen das Land Richtung Europa und Nordamerika verlassen, bekräftigen die Schwestern von Jabboulé ihr Engagement für das libanesische Volk: «Was dem Libanon am meisten fehlt, mehr als Wasser, mehr als Strassen, mehr als Elektrizität, sind Menschen, die sich voll und ganz für das Gemeinwohl einsetzen und die auf allen Ebenen zusammenarbeiten, um die vielfältigen Probleme dieses Landes zu lösen», betont Sr. Jocelyne Joumaa, die Oberin der Gemeinschaft.

Durch die Coronakrise
In der Coronakrise halten die Schwestern und die Lehrerinnen und Lehrer der beiden Schulen in Jabboulé und Jdeideh den Schulbetrieb weiterhin am Laufen. Während der Ausgangssperre erfolgte der Unterricht auf den verschiedenen Stufen per WhatsApp, damit die Schülerinnen und Schüler keinen Schulstoff verpassten.

Einige Schwestern fahren regelmässig in die umliegenden Dörfer und verteilen Lebensmittelpakete an arme Familien. Jede Woche können sie, dank der Unterstützung lokaler Wohltäter, in Beirut neue Vorräte abholen. Damit können sie jedes Paket so zusammenstellen, dass es den Bedürfnissen der Familien entspricht. Dabei hilft ihnen eine von Vertrauenspersonen vor Ort erstellte Liste.

Ein Land kommt nicht zur Ruhe
«Seit der Coronakrise haben die Grossdemonstrationen im Land zunächst nachgelassen,» erzählt Sr. Jocelyne. Mit der katastrophalen Wirtschafts- und Finanzkrise nehmen sie aber wieder zu. Inzwischen haben so viele Menschen ihre Arbeit verloren und kein Einkommen mehr, dass die Verarmung bereits bei über fünfzig Prozent liegt. Die Menschen schreien vor Hunger. «Anfangs Juni hat der Bildungsminister das Ende des Schuljahres angekündigt, weil Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken oder sie den Schulbesuch ihrer Kinder nicht mehr bezahlen können,» erzählt die Ordensfrau.

Die Schwesterngemeinschaft im Wirtschaftsstrudel
Der Zerfall der libanesischen Währung bedroht auch die wirtschaftliche Existenz der Schwestern. «Das Geld, das wir heute in den Händen halten, verliert so schnell an Wert, dass es morgen nur noch einen Bruchteil wert ist,» berichtet Sr. Jocelyne. Eine weitere Schwierigkeit sind die hohen Lebenshaltungskosten. «Wir sind mit einem exorbitanten Preisanstieg konfrontiert,» erzählt die Oberin. «Die Supermärkte schreiben die Produkte gar nicht mehr an, weil sich die Preise von einem Tag auf den andern ändern.»

Leuchttürme in der libanesischen Bildungslandschaft
Bisher ist es den Schwestern gelungen, ihre beiden Schulen am Leben zu erhalten. «Wir sorgen für eine qualitativ hochwertige Bildung, damit auch Kinder aus bescheidenen Familienverhältnissen eine Zukunft haben,» erklärt Sr. Jocelyne. «Insbesondere katholische Schulen sind Leuchttürme der Hoffnung, weil sie sich für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben in einer zerrissenen Gesellschaft einsetzen.» Dennoch nimmt der Druck auf die Schwestern immer mehr zu. Seit mehreren Jahren haben sie keine Zuschüsse mehr vom Bildungsministerium erhalten und die Eltern sind mittlerweile nicht mehr in der Lage, die Schulgebühren für ihre Kinder aufzubringen.

Spendengelder können die Schulen retten
All dies bringt die Schwestern in Gefahr. In diesem Jahr haben sie noch keine Lehrerinnenlöhne zahlen können, was auch die Existenz der Familien der Lehrpersonen bedroht. «Wenn wir unsere beiden Schulen schliessen müssten, würden mehr als 800 Familien unserer Schüler versprengt. 90 Lehrpersonen würden arbeitslos und statt ihnen zu helfen, in ihrer Region zu bleiben, würden wir uns mitschuldig machen, dass sie in die Stadt ziehen oder in den Westen immigrieren müssten», erklärt Sr. Jocelyne. Deswegen bitten die Schwestern von Jabboulé um finanzielle Unterstützung und Hilfe bei der Sicherung der Lehrerinnengehälter. Damit die Schulen weiterbestehen können, für die Kinder und Jugendlichen in der Bekaa-Ebene, für die Lehrerinnen und Lehrer, für die Eltern und die Schwestern.

Spendenvermerk: Lehrerinnenlöhne für Jabboulé

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9. September 2020

Soforthilfe Libanon – Nahrungsmittel für Hungernde

Jedes Paket mit Nahrungsmitteln zählt. Die Explosionskatastrophe in Beirut hat die katastrophale Wirtschafts- und Finanzkrise im Libanon weiter verschärft. Unsere Projektpartner vor Ort verteilen auch Essen und Lebensmittelpakete.

Jedes Paket mit Nahrungsmitteln zählt. Die Explosionskatastrophe in Beirut hat die katastrophale Wirtschafts- und Finanzkrise im Libanon weiter verschärft. Unsere Projektpartner vor Ort verteilen auch Essen und Lebensmittelpakete.

Spendenhinweis „Soforthilfe für Libanon“.

Unterstützen Sie auch unsere Projekte in Libanon

 

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22. August 2020

Medientipp – For Sama

Waad al-Kateab studiert im syrischen Aleppo Wirtschaftswissenschaften, als die Menschen auf die Strasse gehen und Freiheit einfordern. Während den Demonstrationen lernt sie den Arzt Hamza kennen, die beiden heiraten und bekommen eine Tochter: Sama. Ihr schreibt sie diesen filmischen Brief, denn mit ihrer Kamera dokumentierte Waad in den Jahren seit dem Aufstand gegen Baschar al-Assad das Leben und Sterben in Aleppo.

For Sama von Waad ald-Kateab und Edward Watts, Syrien. Als DVD in der Edition Trigon Film erhältlich.

 

Der Film beginnt mit einem Chaos von Bildern, die unter Bomben aufgenommen wurden; es herrscht Hysterie, als die Kamera das Baby Sama sucht. «In welches Leben habe ich dich gebracht?», fragt die Filmemacherin ihre kleine Tochter aus dem Off. Dann blendet sie zurück zu den freudigeren Bildern aus der Zeit, in der es mit den Demonstrationen 2012 losging und Studierende gegen die Politik von Baschar al-Assad protestierten. Die Euphorie endet abrupt, als Leichen von Folteropfern auf dem Fluss treiben. Viele sind in jenen Tagen aus
Aleppo geflüchtet, aber Waad blieb bei Hamza, der ein provisorisches Krankenhaus in einem Keller einrichten konnte. Verwundete jeden
Alters kommen an, Waad hört nicht auf, das zu filmen und die Kamera auf den Schrecken wie den Mut der Ärzte und Pflegenden zu halten, die retten, wer gerettet werden kann.

Das ist kein Dokumentarfilm im engeren Sinn, keine Analyse der politischen Situation in Syrien. Über die Menschen, die wir sehen, erfahren wir das, was ihr Handeln zum Ausdruck bringt. Der Blick ist ein klar subjektiver. Das schmälert die Qualität und Bedeutung dieses «Zeugnisses aus erster Hand» nicht, denn das immense Verdienst des Filmes ist es, uns bis in auf die Eingeweide die Hölle des Krieges erfahren zu lassen, die Waad, Hamza und Sama und all die Opfer jedes mörderischen Wahnsinns erleben müssen. Das Geräusch von Bomben draussen und der Staub, der durch die Explosionen aufgewirbelt wird, verstärken den Eindruck, in den Keller­gängen eingesperrt zu sein, vollgepackt mit verwundeten und verängstigten Menschen, die von aussen bedroht sind. Notwendige, unvergessliche Bilder. Ein einzigartiges Zeitdokument, das in Cannes als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde.

trigon-film.org

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20. August 2020

Die Schwester von Jabboulé im Libanon bitten Sie um Ihre Hilfe!

«Was dem Libanon am meisten fehlt, mehr als Wasser, mehr als Strassen, mehr als Elektrizität, sind Menschen, die sich voll und ganz für das Gemeinwohl einsetzen und auf allen Ebenen zusammenarbeiten, um die vielfältigen Probleme dieses Landes zu lösen», betonte Schwester Jocelyne in einem Gespräch mit dem Schweizerischen Heiligland-Verein schon vor der Explosionskatastrophe von Beirut. Schwester Jocelyne ist die Oberin einer katholischen Ordensgemeinschaft, die in Jabboulé und Jdeideh an der libanesisch-syrischen Grenze in der Bekaa-Ebene zwei Schule führt.

Sr. Jocelyne bei der Olivenernte in Jabboulé

Die Lage im Libanon ist verzweifelt. Die politische Elite ist korrupt. Die libanesische Währung befindet sich im freien Fall. Lebensmittel werden immer knapper. Die Preise steigen. Von dieser Wirtschaftskrise sind natürlich auch die Schwestern und ihre Schulen betroffen. Die meisten Eltern können ihr Schulgeld nicht mehr bezahlen. Deshalb können die Schwestern den Lehrerinnen- und Lehrern keine Löhne mehr zahlen. Der Unterricht findet im Moment trotzdem statt, wenn er auch wie in vielen anderen Ländern wegen der Pandemie schränkt werden musste.

Lehrerinnenlöhne seit Oktober 2019 nicht mehr bezahlt

Als unsere Geschäftsstellenleiterin vor vier Wochen mit Schwester Jocelyne telefonierte und ihr mitteilte, dass der Schweizerische Heiligland-Verein 20’000 Franken aus seinem Nothilfefond den Schwestern überweisen werde, brach sie angesichts dieses Solidaritätszeichen in Tränen. Obwohl mit diesem Betrag lediglich die ausstehenden Lehrerlöhne eines Monats bezahlt werden können, die seit Oktober 2019 nicht mehr bezahlt wurden.

Unterstützen Sie Jabboulè!

Die Existenz der beiden Schulen ist ernsthaft bedroht. «Wenn wir unsere Schulen schliessen müssten, würden mehr als 800 Familien unserer Schülerinnen und Schüler versprengt. 90 Lehrpersonen würden arbeitslos und statt ihnen zu helfen, in ihrer Region zu bleiben, würden wir uns mitschuldig machen, dass sie in die Stadt ziehen oder in den Westen immigrieren müssten», erklärt Schwester Jocelyne. Deswegen lanciert der Schweizerische Heiligland-Verein in diesem Jahr als Schwerpunktprojekt «Lehrerinnenlöhne für Jabboulé», damit die Schulen im Südlibanon weiterbestehen können.

 

Informationsflyer Im Fokus: Lehrerinnenlöhne für Jabboulé

Spenden

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4. Mai 2020

Eine Videobotschaft der La-Salle-Schulbewegung!

Diese Nachricht erreichte uns von den La-Salle-Schulbewegung aus dem Heiligen Land und folgende Videobotschaft:

 

 

Liebe Freundinnen und Freunde vom Schweizerischen Heiligland-Verein

Ich hoffe, dass es euch und eueren Lieben gut geht. Es sind wirklich schwere Zeiten. Die Pandemie des Coronavirus hat die ganze Welt heimgesucht.

Ich selbst als Koordinatorin der Lasallian-Schulen im Heiligen Land und in Jordanien, zu denen eine Schule in Bethlehem, eine Schule in Jaffa, eine Schule in Jordanien und zwei Schulen in Jerusalem gehören, habe es ungeheuer schwer, finanzielle Unterstützung zu finden, um die Hälfte der Lehrergehälter zahlen zu können, da die Eltern kein Schulgeld bezahlt haben, um die Gehaltszahlungen zu decken. Unsere christliche Gemeinschaft leidet in diesen dunklen Tagen. Wir sind auf der Suche nach jeder möglichen finanziellen Unterstützung, um unsere christlichen Mitarbeiter, insbesondere in Bethlehem, zu unterstützen. Das ist wirklich beispiellos; wir beten um die Gnade und Unterstützung des Herrn.

Mit geschwisterlichen Grüssen
George

PS Bitte beachtet auch beiliegende Videobotschaft!

 

 

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25. März 2020

Corona-Krise: Spenden Sie direkt!

Da in diesem Jahr wegen der Corona-Krise während der Karwoche alle Gottesdienste in der ganzen Schweiz abgesagt werden müssen und somit das Karwochenopfer nicht regulär eingezogen werden kann, bittet der Schweizerische Heiligland-Verein alle Spenden direkt auf sein Konto CH78 09000 0000 9000 0393 0 mit dem Vermerk „Karwochenopfer“ zu überweisen. Interview mit Andreas Baumeister zum Karwochenopfer. 

Das Karwochenopfer wird im Auftrag der Schweizer Katholischen Bischofskonferenz in der Karwoche in allen katholischen Pfarreien der Schweiz für den Schweizerischen Heiligland-Verein eingezogen. Mit diesen Spenden werden 18 Projekte von orientalischen Schwesterkirchen in den Ursprungsländern des Christentums unterstützt. Im Mittelpunkt dieser Projekte stehen Kinder, junge Erwachsene, behinderte, kranke sowie armutsbetroffene Menschen, die im Bereich Bildung, Gesundheit und Sozialfürsorge gefördert werden.

Seien Sie solidarisch mit den Christinnen und Christen in den Ursprungsländern des Christentum! Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

 

 

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3. Februar 2020

Mit Bischof Felix Gmür ins Heilige Land

Im Herbst 2021 lädt der Schweizerische Heiligland-Verein zu einer Pilgerreise nach Israel und Palästina ein, die vom 26. September 2021 bis zum 6. Oktober 2021 dauern wird. Bischof Felix Gmür wird die Pilgergruppe fünf Tage begleiten. Die elftägige Reise führt von Bethlehem nach Jericho und durchs Jordantal hinauf an den See Genesaret. Nach dem Aufenthalt in Galiläa steht zum Abschluss der Besuch der Stadt Jerusalem auf dem Programm. Die Reisegruppe wird von einem einheimischen Reiseführer geleitet – zusammen mit Vikar Boris Schlüssel, SHLV-Vorstandsmitglied und langjähriger Pilgerleiter im Heiligen Land.

 

Erste Station der Heiliglandreise: Die Geburtskirche in Bethlehem

Während fünf Tagen wird Bischof Felix Gmür als geistlicher Begleiter zur Reisegruppe stossen und mit den Pilgerinnen und Pilgern einheimischen Christinnen und Christen begegnen, an heiligen Stätten Gottesdienst feiern und in das facettenreiche Leben der Stadt Jerusalem eintauchen. Auch einzelne SHLV-Projekte werden besucht.

 

Der Felsendom in Jerusalem: das drittwichtigste Heiligtum in der islamischen Welt

Die Heiliglandreise findet von Sonntag, 26. September 2021, bis Mittwoch, 6. Oktober 2021, statt. Detaillierte Reiseprospekte können angefordert werden bei: SHLV-Geschäftsstelle in Luzern oder bei terra sancta tours ag in Bern. Eine provisorische Anmeldung ist bei unserer Geschäftsstelle oder terra sancta tours ab sofort möglich.

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13. Januar 2020

Erzähl unsere Geschichte!

Bilder und Geschichten aus Syrien von und mit Alexandra Wey.
Donnerstag, 30. Januar 2020, um 20 Uhr, reformierte Kirche Zug. Eintritt frei. Anschliessend Apéro. Die Hälfte der Kollekte zugunsten der Phantomkinder von Aleppo.

Die Zuger Photographin Alexandra Wey bezeichnet Syrien als ihr Lieblingsland. Immer wieder war sie mit ihrer Kamera vor Ort. Das war vor dem Krieg, welcher 2011 begonnen hat. Aber auch immer wieder in den Jahren während des Kriegs. Sie macht vor Ort Bilder für NGOs. Immer wieder hat sie erlebt, dass die Menschen, von denen sie die Bilder gemacht hat, ihr lange erzählten. Sie freuten sich, dass ihnen jemand zuhört und baten sie: „Erzähl unsere Geschichte!“

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9. Dezember 2019

Hilfe für die «Phantomkinder» von Aleppo

Im verwüsteten Osten der einstigen syrischen Handelsmetropole, wo bis Ende 2016 die IS-Kämpfer gewütet haben, leben zwischen 3000 und 5000 Kinder ohne anerkannte Identität. Sie können keine Schulen besuchen und erhalten keinen Zugang zur öffentlichen Grundversorgung. Der Franziskanerpater Firas Lutfi hat mit Unterstützung von Bischof und Grossmufti das Projekt «Ein Name – eine Zukunft» initiiert, das Hoffnung schenkt. Dieses Projekt lanciert der Schweizerische Heiligland-Verein in den nächsten Wochen als seine Herbstaktion 2019.

 

Pater Firas Lutfi schenkt Kindern und ihren Mütter mit seinem Projekt „Ein Name – eine Zukunft“ neue Hoffnung.

 

Während vier Jahren verlief eine Frontlinie des Syrien-Krieges mitten durch die einst blühende Stadt Aleppo. Als die Dschihadisten im Dezember 2016 aus Aleppos Osten vertrieben wurden, liessen sie eine zu 70 Prozent zerstörte Stadt zurück – und zahllose Kinder und Frauen. Viele der fast 5000 Kinder im Alter von drei bis acht Jahren stammen aus Beziehungen zwischen IS-Kämpfern und syrischen Frauen, oft wurden sie nach Vergewaltigungen oder Missbrauch geboren. Diese Kinder und Frauen wurden wegen ihrer Verbindung zur Miliz sich selbst überlassen.

Ohne Registrierung kein Zugang zur Grundversorgung

Eine entscheidende erste Hilfe für die «Kinder ohne Namen» ist ihre Anmeldung bei den Behörden. Der Franziskanerpater Firas Lutfi hat deshalb das Hilfsprojekt «Ein Name – eine Zukunft» ins Leben gerufen. Bereits konnten rund 100 Kinder offiziell registriert und ihnen damit zu einer Identität verholfen werden. Der Prozess verlangt viel Geduld, weil das islamische Recht keine Adoption kennt und die Kinder deshalb nur unter Ausnahmebedingungen von muslimischen Familien «angenommen» werden dürfen.

Es gibt Kinder, die noch gar nie eine Schule besucht haben. In bestimmten Gegenden gab es nur den Koran – keine Mathematik, keinen Geschichtsunterricht, keine Geographie oder Kunsterziehung. «Deswegen versuchen wir nun in speziellen Kursen, für diese Kinder die Bildungslücken zu schliessen», sagt Pater Firas, «wir unterstützen auch Kinder und Jugendliche, die schwere körperliche Arbeit verrichten müssen oder unter Gewalt leiden. Wir bieten Physiotherapie für Menschen mit Beeinträchtigungen. Und wir arbeiten mit Psychologinnen und Psychotherapeutinnen zusammen».

Bischof und Grossmufti stehen gemeinsam dahinter

Die Initiative von Pater Firas kam dank der freundschaftlichen Beziehung zwischen dem Bischof von Aleppo, Monsignore Georges Abou Khazen, und Aleppos Grossmufti, Mahmoud Akkam, zustande. «Das Ziel unseres Projektes,» berichtet der Bischof, «ist das Vertrauen der Kinder in die Zukunft wiederherzustellen. Einige Kinder, die ich kennengelernt habe, waren so traumatisiert, dass sie nicht sprechen konnten. Nachdem wir sie in unserem Zentrum willkommen geheissen haben, haben sie das Vertrauen ins Leben zurückgewonnen, ihr Blick hat sich verändert, das Lächeln ist in ihre Gesichter zurückgekehrt.»

Es wird Jahre dauern, die Traumata zu überwinden

«Die Mütter und Kinder haben Angst vor uns, Angst vor dem anderen. Ihr Leben wurde über Jahre geprägt von Missbrauch, Gewalt und Isolation. Glücklicherweise erleben wir immer wieder Erfolgsgeschichten von Kindern, die die Traumata langsam überwinden“, sagt Pater Firas Lutfi. «Es wird Jahre dauern, aber wir können nicht, wir dürfen nicht aufhören».

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