Gehörlosenbetreuung im Bistum Minya in Oberägypten
Aus dem Bereich der sozialpastoralen Arbeit stellen wir das koptischkatholische Bistum Minya in Ägypten vor. Pfarrer Bouless Nassief leitet hier das sozialpastorale Büro des Bistums. Von 1991 bis 1995 war er als Gemeindepfarrer in der Pfarrei der Jungfrau Maria in Abou Qorqas tätig, bevor er in die MarkusKirche nach Minya kam.
Pfarrer Bouless konzentriert sich ganz auf den Dienst an Randgruppen der Gesellschaft – auf Gefangene und ihre Familien, auf Gehörlose, auf Krebspatientinnen und Krebspatienten sowie auf die armutsbetroffene Landbevölkerung. Diese Entscheidung beruhte auf seinem tiefen Glauben an seine Mission, die Rechte von Menschen am Rand wiederherzustellen, ihre Menschlichkeit zu fördern und das gesellschaftliche Bewusstsein für ihre Probleme und Bedürfnisse zu schärfen.
Besseres Leben für gehörlose Menschen
1998 startete er das Projekt «Ein besseres Leben für Gehörlose». Dazu lud Pfarrer Bouless gehörlose und hörgeschädigte Kinder zu speziellen Workshops ein. Im Laufe von mehr als 26 Jahren hat sich dieses Angebot der sozialpastoralen Arbeitsstelle darauf konzentriert, gehörlose und schwerhörige Menschen im Alter von 3 bis 65 Jahren in allen sozialen, bildungsbezogenen und gesundheitlichen Aspekten zu unterstützen, zu stärken und zu fördern. Besonderes Augenmerk richtete Pfarrer Bouless auf die christliche Bildung. Er organisierte wöchentliche Treffen mit mehr als 120 gehörlosen Frauen und Männern unterschiedlichen Alters aus über 20 Dörfern im gesamten Bistum Minya. «Unsere gehörlosen und hörgeschädigten Kinder litten lange Zeit unter der Ausgrenzung innerhalb ihrer Familien, der Kirchgemeinde und der Gesellschaft. Ihnen wurde sogar das Recht vorenthalten, eine angemessene christliche Bildung in ihrer lokalen Gebärdensprache zu erhalten. Dies wollten wir ändern», erklärt uns Pfarrer Bouless.
Grosse Zahl von Gehörlosen in Ägypten
Es gibt keine genauen Statistiken über die Anzahl der gehörlosen und schwerhörigen Menschen in Ägypten. Einige Regierungsberichte deuten jedoch darauf hin, dass ihre Zahl laut der letzten Volkszählung im Jahr 2023 bei 7 bis 7,5 Millionen Menschen jeden Alters liegt, wobei etwa 60 Prozent in Oberägypten leben.
Oberägypten – Gesundheitsfürsorge für Seniorinnen und Senioren in Minia
IDAM (Integral Development Action of Minia), das Sozialwerk der koptisch-katholischen Kirche in Minia in Oberägypten, setzt sich zu sammen mit andern nichtstaatlichen sozialen Institutionen für eine bessere Gesundheitsfürsorge für ältere Menschen ein und hat deshalb mit ihnen zusammen das Projekt «Care with love» initiiert. Dabei geht es um die Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema «Älter werden» und die Wahrnehmung der Bedürfnisse von älteren Menschen.
Fürsorge für ältere Menschen – Minia engagiert sich!
Viele Familien verfügen nicht mehr über die Möglichkeiten, um ältere, hilfsbedürftige oder kranke Ange-hörige zu unterstützen und zu be-treuen. Sie haben immer grössere Mühe, ein existenzsicherndes Ein-kommen zu erwirtschaften, sodass vermehrt auch Frauen einer bezahlten Arbeit ausser Haus nachgehen. In der Gesellschaft ist dadurch ein Bedarf an häuslicher Gesundheitsfürsorge, einer Art «Spitex», entstan-den. Deshalb hat IDAM in Minia das Projekt «Care with love» für eine bessere Gesundheitsfürsorge für ältere Menschen gestartet.
In Gesprächen und bei Aktivitäten mit Seniorinnen und Senioren in Begegnungszentren bekommen die Betreuenden ziemlich rasch mit, ob jemand Hilfe benötigt oder Unterstützung braucht. Sozialarbeitende und kirchliche Mitarbeitende machen Hausbesuche und schauen die Lebenssituation der älteren Menschen genauer an. Wie sieht ihre Wohnsituation aus (Wasseranschluss, Toilette, Schlafmöglichkeit), kochen und essen sie regelmässig, nehmen sie ihre Medikamente ein oder benötigen sie pflegende Unterstützung. Dabei wird auch klar, dass die Familien bei der Pflege und Fürsorge ihrer Angehörigen enorm wichtig sind und viel leisten, von ausserhalb jedoch nur mangelhaft unterstützt werden.
+ Junge Menschen engagieren sich in Minia, damit es alten Menschen gut geht.
Bei diesem Projekt schulen Fachleute in Intensivkursen junge Frauen und Männer in verschiedenen Bereichen der Altersbetreuung. Diese geben ihr Wissen an andere Pflegehelferinnen und Pflegehelfer, oftmals direkte Angehörige, weiter. Sie stehen ihnen anschliessend bei ihren Aufgaben begleitend zur Seite und achten auf die Qualität der Leistungen. Für diese Altenarbeit erhalten die jungen Familienmitglieder eine Entschädigung. So können einerseits Familien mit älteren Angehörigen unterstützt werden, andererseits junge Frauen und Männer eigenes Geld für ihre Ausbildung verdienen. Dies ist umso wertvoller, als in Ägypten unter den jungen Erwachsenen eine hohe Arbeitslosigkeit besteht und ihre Familien kaum über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen.
Inzwischen hat IDAM dieses Projekt bereits in drei ländlichen Gemeinden erfolgreich gestartet. Es ist eine Win-win-Situation, in der Seniorinnen und Senioren Fürsorge erfahren und junge Menschen die Möglichkeit erhalten, ihren älteren Familienangehörigen Gutes zu tun. Für die Dorfgemeinschaft ist es eine Bereicherung, weil damit der Kontakt zwischen den Generationen gestärkt wird und alle Beteiligten Anteilnahme und Wert-schätzung erfahren.
Oberägypten – Kindern und Jugendlichen eine zweite Chance geben
Kinder in den Dörfern in Oberägypten, besonders Mädchen, leiden unter eingeschränkten Bildungsmöglichkeiten – und Zugang zu medizinischer Hilfe. Einige werden nicht eingeschult und andere müssen die Schule nach wenigen Jahren verlassen. Dies führt zu einer immer grösseren Armut in den betroffenen Familien. Darunter leiden vor allem Mädchen, die früh verheiratet werden und jung Kinder bekommen, unter einem weiteren Armutsrisiko.
Unsere Partnerorganisation AUEED baut daher in Oberägypten so genannte Parallelschulen für aus dem offiziellen Schulsystem gefallene Kinder auf. Dina Raouf bittet uns, acht solche Parallelschulen in Assiut und Sohag zu unterstützen, damit 300 Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren während eines Jahres eine nichtformelle Bildung in einer lernförderlichen Umgebung erhalten. Der Unterricht findet an fünf Tagen in der Woche statt. Hier sollen sie sich entwickeln können, Dialogfähigkeit erlernen und Lebenskompetenzen und handwerkliche Fertigkeiten erwerben. Sie sollen ihre grundlegenden sozialen, wirtschaftlichen und bürgerlichen Rechte kennen und erlangen und an der Entwicklung ihrer Gemeinschaften teilnehmen können. Zudem werden die Kinder medizinisch gecheckt und erhalten wo nötig Medikamente, insbesondere gegen Anämie; mit einer angemessenen und gesunden Ernährung kann ihre Gesundheit verbessert werden.
In zwölf Monaten können Kinder und Jugendliche ohne Schulbildung ein vereinfachtes Primarschulprogramm durchlaufen.
Die wirtschaftliche Lage hat sich in Ägypten weiter angespannt. In der Covid19-Pandemie mit zahlreichen Todesfällen und Entlassungen verloren viele Familien ihre Ernährer oder Ernährerinnen. Der Ukraine-Krieg liess die Preise für Getreide hochschnellen und trieb die Inflationsrate im Juni 2023 auf beinahe 36 Prozent in die Höhe. Die Parallelschulen durchbrechen den Teufelskreis der Armut, indem sie durch Bildung und Gesundheitsförderung die Hauptursachen von Armut bekämpfen. Gemäss dem UNDP-Bericht 2021 tragen Bildungsdefizite mit 53 Prozent und Gesundheitsmängel mit 40 Prozent zur Entstehung von Armut in Ägypten bei. Der Index der mehrdimensionalen Armut (MPI) misst verschiedene Indikatoren im Bereich der Bildung wie Anzahl der besuchten Schuljahre, Anwesenheit in der Schule und der Gesundheit wie Kindersterblichkeit und Qualität der Ernährung sowie den Lebensstandard – vorhandenes Brennmaterial zum Kochen, Zugang zu Sanitäreinrichtungen, zu sauberem Wasser und Elektrizität sowie Boden und Besitz. Personen, die einen Mangel in 20 bis 30 Prozent der gemessenen Kategorien aufweisen, gelten als «von Armut gefährdet» und jene Personen, welche in mehr als 50 Prozent einen Mangel aufweisen, leben in «ernsthafter Armut».
AUEED gibt durch die Parallelschulen den Kindern, die nie zur Schule gingen oder frühzeitig ausschieden, eine zweite Chance auf Bildung und Lebenserziehung. Diese nicht formellen Bildungsinitiativen werden von den Dorfgemeinschaften getragen. Die erste Parallelschule wurde von dem tschechischen Mönch Eugene 1986 im Dorf Bayadeya in Mallawi eingerichtet. In seiner Freizeit versammelte er die Kinder des Dorfes in einem alten Gebäude, um sie im Lesen und Schreiben zu unterrichten. AUEED unterstützte den Versuch und lieferte ihm eine Schultafel und andere Materialien. Diese Art der nicht formellen, gemeinschaftlichen Bildung inspirierte viele andere Organisationen wie UNICEF, NCCM und das Erziehungsministerium.
Die erste Parallelschule wurde 1986 vom tschechischen Mönch Eugene in Mallawi gegründet.
AUEED bittet den Schweizerischen Heiligland-Verein, acht solche Parallelschulen in Dörfern in den Provinzen Assiut und Sohag für zwölf Monate ab Juli 2023 zu unterstützen. Insgesamt 300 Kinder sollen in dieser Zeit ein vereinfachtes Primarschulprogramm durchlaufen und handwerkliche und lebensfördernde Tätigkeiten erlernen. Helfen Sie durch Ihre Spende mit, die Armutsspirale zu durchbrechen und diesen Kindern eine zweite Chance zu einem selbst bestimmten Leben zu geben.
Hans Rahm
Vermerk für Ihre Spende:
Parallelschulen gegen die Armut
Oberägypten – Unterstützung von christlichen Schulen
Dina Raouf von der Association of Upper Egypt for Education and Development (AUEED) in Kairo berichtet uns über die beiden Schulen, welche mit dem Beitrag aus der Karwochenkollekte unterstützt werden. Die AUEED wurde 1940 vom Jesuitenpater Dr. Henry Ayrout gegründet, um die Entwicklung der oberägyptischen Dörfer zu fördern.
AUEED unterstützt 35 Schulen, darunter auch jene in Wasta mit 288 Schülerinnen und Schülern sowie 27 Lehrenden, und jene in Deir el Ganadla mit 319 Schülerinnen und Schülern sowie 21 Lehrkräften. Beide Schulen befinden sich in der Provinz Assiut, die mit 66,7 % die höchste Armutsquote in Ägypten aufweist.
AUEED unterstützt 35 Schulen, darunter auch jene in Wasta mit 288 Schülerinnen und Schülern sowie 27 Lehrenden, und jene in Deir el Ganadla mit 319 Schülerinnen und Schülern sowie 21 Lehrkräften. Beide Schulen befinden sich in der Provinz Assiut, die mit 66,7 % die höchste Armutsquote in Ägypten aufweist.
Ägypten mit nunmehr 105 Millionen Einwohnern leidet seit einigen Jahren unter einer schweren Wirtschaftskrise, verschärft durch die Corona-Pandemie. Der russisch-ukrainische Krieg führte zu einem sprunghaften Anstieg der Preise. Dazu kommen die massive Abwertung der Landeswährung und die steigende Inflation.
Die AUEED-Schulen liegen in armen Dörfern in schwach erschlossenen Gegenden. Die Organisation legt Wert auf eine qualitativ hochwertige Bildung zu geringen Kosten. AUEED gewährt Voll- und Teilstipendien und betont die Gleichheit zwischen Arm und Reich, zwischen Christen und Muslimen und zwischen Mädchen und Jungen.
Dina Raouf berichtet uns von zwei erfolgreichen Absolventen der beiden Schu-len. Dr. Mohamed Awad Osman (32), Zahnarzt – «Ich praktiziere in Deir el Ganadla und in der Stadt Ghanayem. Ich habe die AUEED-Schule in Deir el Ganadla absolviert, die einen grossen Einfluss auf meine persönliche Entwicklung hatte. Um etwas zurückzu-geben, arbeite ich mit der Schule zusammen, um Eltern und Lehrpersonen für das Thema Zahnhygiene zu sensibilisieren.»
Jacqueline Maher (35), Lehrerin – «Ich arbeite als Englischlehrerin an der Was-ta-Schule. Meine Liebe zur englischen Sprache entdeckte ich an dieser Schule. Die Schule hat auch meinen Charakter durch die Lehrpersonen, die Pfadfinderlager und die Theateraktivitäten geformt. Ich finde es wirklich toll, dass ich an der gleichen Schule arbeite, an der ich gelernt und die ich geliebt habe.»
Neue medizinische Geräte, um Armutsbetroffenen zu helfen
Die koptisch-katholische Kirche Ägyptens betreibt in Shoubra el-Khema eine kleine Poliklinik, deren Einrichtung dringend erneuert werden muss. Das «Dispensary St. Mary» bietet in einem ländlichen Quartier rund 240 000 Menschen medizinische Grundversorgung. Der Betrieb der Poliklinik wird durch den Sozialdienst «Diakonia» der Patriarchaldiözese gewährleistet, doch für die Anschaffung von neuen Geräten ist Hilfe von aussen nötig.
Shoubra el-Khema ist die viertgrösste Stadt Ägyptens mit über einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern. Sie schliesst nördlich an Kairo an und bildet mit Kairo und Giza eine grosse Agglomeration, in der rund 15 Millionen Menschen leben. Die früheren Gärten und Paläste, die der Region den koptischen Namen «Shoubra» – Landschaft – gaben, wurden seit den 1950er Jahren von meist ungeregelten Arbeitersiedlungen überwuchert. Ein Kohlekraftwerk und Schwerindustrie verdrecken die Luft. Der fruchtbare Deltaboden am Nil ist grösstenteils überbaut.
In der Poliklinik St. Mary werden mittellose Menschen in verschiedenen medizinischen Bereichen behandelt – etwa auch Zahnmedizin und Augenheilkunde.
Amr (5) bricht plötzlich zusammen
Es ist ein ganz normaler sonniger Tag, als Amr, ein fünfjähriger Junge, mit seinen Freunden vor dem Haus spielt. Plötzlich bricht er zusammen. Der Vater bringt das Kind sofort zur Krankenstation St. Mary und schreit um Hilfe, da er keine Ahnung hat, was mit ihm los ist. Die Eltern denken, es sei die Hitze oder ein niedriger Blutdruck, die Amr in Ohnmacht fallen liess. Nach einigen Tests stellt sich heraus, dass Amr ein Herzproblem hat. Der Herzmuskel ist zu schwach. Der Kardiologe Dr. Mikael Moftah behandelt ihn. Heute kommt Amr noch zu Kontrolluntersuchungen. Ohne die Poliklinik St. Mary müsste Amrs Vater ins Spital gehen, das anderthalb Stunden weg liegt und viel zu teuer für ihn ist. Die Poliklinik St. Mary hat das Leben seines einzigen Kindes gerettet.
Die koptisch-katholische Kirche ist mit rund 250 000 Gläubigen eine Minderheit in der christlichen Minderheit des Landes. Die koptisch-orthodoxe Kirche macht rund 10 Prozent der rund 105 Millionen Ägypterinnen und Ägypter aus, die mehrheitlich sunnitische Muslime sind. 2019 weihte Patriarch Ibrahim Isaac Sedrak seinen Privatsekretär Father Hani Bakhoum zum Bischof und setzte ihn als Kurienbischof für seine Patriarchaldiözese ein. Anba Bakhoum, so sprechen ihn die Gläubigen an, ist oberster Verantwortlicher für den 2010 errichteten Sozialdienst «Diakonia» der Patriarchaldiözese und garantiert, dass die Spenden zielgenau eingesetzt werden.
Eine Mutter (35) von drei Kindern verbrennt sich das Gesicht
Amal (35) hat drei kleine Kinder. Sie kommt in die Poliklinik St. Mary, nachdem sie sich beim Kochen des Abendessens für ihre Familie im Gesicht verbrannt hat. In der ersten Sprechstunde weint Amal vor Schmerzen und ihre Kinder mit ihr. Die Kinder begleiten die Mutter, weil sie noch zu klein sind, um alleine zu Hause zu bleiben. Der Ehemann zittert und hat Angst um seine Frau. Dr. Marian Samir, Dermatologin in der Poliklinik, reinigt die verbrannte Haut. Der chirurgische Eingriff ist erfolgreich. Amal bleibt etwa einen Monat lang in der Krankenstation. Die Ärztin Christina Nasser hilft Amal, die psychologische Notlage zu bewältigen und ihr neues Gesicht zu akzeptieren. Amal geht es heute viel besser und sie führt ein normales Leben mit ihrer Familie.
Die von «Diakonia» seit vielen Jahren geführte Krankenstation dient rund 240 000 in der Umgebung lebenden Menschen. Zwölf hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte und mehrere Krankenschwestern betreuen die Pa-tientinnen und Patienten, ohne nach Relgionszugehörigkeit zu unterscheiden. Diese Station ist für die Gegend sehr wichtig; sie soll jedoch dringend renoviert und ihre Infrastruktur ergänzt werden. Neben Behandlungsstühlen und sechs Spitalbetten braucht es medizinische Geräte, Laboreinrichtungen und Klimaanlagen. Ziel ist es, künftig 50 bis 60 Fälle pro Tag aus verschiedenen Fachbereichen – allgemeine Chirurgie; interne Medizin; Herz- und Zahnmedizin; Dermatologie; Kinderheilkunde; Orthopädie und Physiotherapie – behandeln zu können. Die Kosten für die ärztliche Untersuchung betragen symbolische 40 Pfund oder weniger, wenn die Familien nicht zahlen können. Die Menschen in Shoubra el-Khema sind froh, dass sie die Poli-klinik St. Mary in ihrer Nähe haben.
Ein 12-jähriges Mädchen wird Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht
Nicht alle Geschichten haben ein Happy End. Ein 12-jähriges Mädchen, das Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht wird, kommt mit einer gebrochenen Rippe und einem gebrochenen Bein in die Krankenstation. Der Unfall verursacht innere Blutungen, und das Mädchen müsste geröngt oder mit einem CT untersucht werden. Doch diese Geräte gibt es nicht. Das Mädchen in das nächstgelegene Spital zu verlegen, geht nicht. Die Ärzte versuchen alles, um dem kleinen Mädchen zu helfen, doch sein Herz bleibt stehen. Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung wird durchgeführt, die wegen der gebrochenen Rippe äusserst schmerzhaft ist. Doch das kleine Mädchen stirbt und die Familie ist am Boden zerstört.
Sobald die Finanzierung steht, können die Räume saniert werden und die Einrichtung, Möblierung und medizinische Apparate werden ergänzt. Dann erhalten endlich auch mittelose Menschen eine bessere medizinische Versorgung. Danke, dass Sie mithelfen, Leben zu retten.
Schon vor dem Ausbruch der Coronapandemie litten die von AUEED (Association of Upper Egypt for Education and Development) geförderten Schulen unter finanziellen Engpässen, da die Ausbildungskosten für die Kinder höher waren als die von den Familien bezahlten Schulgebühren. Während der Coronakrise hat sich diese Situation weiter zugespitzt. Dank Spendengeldern aus dem Ausland konnte AUEED die Fehlbeträge bisher ausgleichen.
Trotz der begrenzten Mittel unternimmt AUEED zahlreiche Anstrengungen, um die Coronapandemie in Oberägypten einzudämmen. So startete AUEED eine Medienkampagne über sozialen Medien wie Facebook, um die ländliche Bevölkerung für die herrschende Gesundheitskrise zu sensibilisieren und zu zeigen, wie Ansteckungen vermieden werden können.
Dank Lebensmittlpaketen von AUEED muss die Familie von Magda nicht hungern.
Homeschooling und digitale Initiativen
AUEED unterstützt im Moment 2400 armutsbetroffene Familien in Kairo, Minia, Assiut, Sohag, Qena und Luxor mit Nahrungsmittelpaketen. Weitere 1800 Schülerinnen und Schüler werden in der Schule mit Essen versorgt, um einer Unterernährung der Kinder und Jugendlichen vorzubeugen.
AUEED unterstützt 35 Schulen bei der Organisation von Homeschooling mit gedruckten und digitalen Unterlagen sowie mit dem Zugang zu Onlineplattformen. Zusammen mit den Organisationen «Save the Children» und «USAID» hat AUEED Lernspiele entwickelt, um die Lese- und Schreibfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu Hause zu fördern und sie in ihrer Freizeit zu unterhalten. AUEED startete die digitale Initiative «Your health your wealth» mit Videos von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Koordinatoren auf der Internet-Plattform der Vereinigung für soziale Medien, um Kinder und Jugendliche darüber aufzuklären, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung sind. #Creativity_at_Time_of_Corona ist eine digitale Initiative, um Kinder zu künstlerischen Aktivitäten zu animieren.
AUEED unterstützt 35 Schulen bei der Organisation von Homeschooling mit gedruckten und digitalen Unterlagen sowie mit dem Zugang zu Onlineplattformen.
Bildung für die Armen
Die negativen Auswirkungen von Covid19 werden andauern; Experten gehen davon aus, dass eine wirtschaftliche Erholung fünf Jahre dauern wird. Infolgedessen braucht Oberägypten mehr Mittel für Bildung, Gesundheit, Kultur und die Verbesserung der Lebensgrundlagen der Menschen.
Auch in den kommenden Monaten werden wir unter den Einschränkungen infolge der Pandemie leiden. Umso wichtiger ist der Zugang zu technologischen Dienstleistungen und eine angemessene Ausrüstung, die einen Fernunterricht auch in den armen Dörfern möglich macht.
AUEED fühlt sich vor allem mit den armutsbetroffenen Menschen in Oberägypten verbunden und ist dem Anliegen seines Gründers P. Henry Ayrout SJ verpflichtet, «das Leben der ländlichen Bevölkerung in Oberägypten zu verbessern». Danke für Ihre Solidarität mit den Bauern von Minia.
Vom Kampf gegen Polio und die Folgen dieser verheerenden Krankheit
In den 1980er Jahren verbreitete sich Polio in ganz Ägypten, besonders stark in den Dörfern und in Oberägypten. In fast jeder Familie lebte ein angestecktes Kind. Dank einer jahrelangen und sehr engagierten Impfkampagne durch das Hilfswerk JBA gibt es in der Provinz Minia keine Neuerkrankungen mehr. Doch Menschen mit poliobedingten körperlichen Beeinträchtigungen haben es weiterhin schwer. Ein Bericht von Osama Isaac, Direktor der JBA, die den Betroffenen vor Ort hilft.
Menschen mit poliobedingten körperlichen Beeinträchtigungen haben es weiterhin schwer.
Das Hilfswerk Jesuit & Brothers Association for Development (JBA) in Minia, gegründet 1966 von ehemaligen Jesuitenschülern, kümmert sich seit bald 40 Jahren um Menschen, die aufgrund von Kinderlähmung körperlich eingeschränkt sind. Am Anfang standen Untersuchungen, Operationen, Medikamente und Physiotherapie im Vordergrund. In einem zweiten Schritt schickte die JBA Gesundheits-Fachkräfte in die Dörfer, um Kinder mit Behinderungen zu erfassen, ihre Bedürfnisse zu dokumentieren und sie eng auf ihrem Weg zu begleiten.
Psychologische, soziale und berufliche Rehabilitation
Von Beginn an legten die Jesuitengemeinschaft und JBA besonderen Wert auf die psychologische, soziale und berufliche Rehabilitation der an Polio erkrankten Frauen und Männer. Minia, Stadt und Provinz mit 5,9 Millionen Menschen und dreiviertel so gross wie die Schweiz, gilt als Armenhaus Ägyptens. Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen erfuhren oftmals Benachteiligungen, wurden von der Gesellschaft und ihren Gemeinschaften vernachlässigt und ausgegrenzt.
JBA hat in Minia ein rollstuhlgängiges Ausbildungszentrum für Menschen mit körperlichen Behinderungen gebaut. Bereits über 2000 Personen konnten am Rehabilitationsprogramm mit Alphabetisierungskursen und Berufsausbildungen teilnehmen. Ein wichtiger Beitrag, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, ein wichtiger Schritt auch, sie in ihren Heimatdörfern zu integrieren, wo sie aufgrund ihrer gewonnenen Fähigkeiten oft erstmals Wertschätzung erfahren. Der Weg jedoch ist steinig: 98 Prozent
der Menschen mit Beeinträchtigung haben in der Provinz Minia keine Beschäftigungsmöglichkeiten, und 70 Prozent leben in armutsbetroffenen Familien.
Über 2000 Menschen konnte im Rehabilitationszentrum geholfen werden.
Seit 2000 keine neuen Ansteckungen Wir brauchen in der Gesellschaft eine veränderte Haltung gegenüber Menschen mit Behinderungen. Deswegen sind weiterhin Aufklärungskampagnen nötig. Auch ist es nach wie vor wichtig, die Bevölkerung für Krankheiten wie Polio zu sensibilisieren. So führen wir immer wieder Impfkampagnen durch mit dem Ziel, möglichst alle Kinder zu erreichen. Seit dem Jahr 2000 wurden in Minia denn auch keine neuen Ansteckungen mehr gemeldet. Das gibt uns Mut, weiterzukämpfen für die vielen von Polio betroffenen Frauen und Männer, die als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft wahrgenommen werden wollen.
Damit auch behinderte Menschen in Würde leben können
Menschen mit Behinderung werden in der ägyptischen Gesellschaft heute oft ausgegrenzt. Sie gelten als Menschen, die nicht lernen, nicht arbeiten oder ihre sozialen Aufgaben nicht erfüllen können. In Ägypten leidet ein Grossteil der Menschen mit Behinderung unter mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten. Nur wenige von ihnen haben Zugang zu öffentlicher Bildung, viele sind erwerbslos.
+ Das Rehabilationszentrum der JBA in Minia
Bislang gibt es nur sehr wenige Institutionen, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzen. Eine von ihnen ist die Jesuits’ and Brothers’ Association (JBA).
Basierend auf diesem gesellschaftlichen Hintergrund setzt sich die JBA, eine der Jesuitengemeinschaft nahestehende Organisation im ägyptischen Regierungsbezirk Minia, schon seit vielen Jahren überkonfessionell für Menschen mit Beeinträchtigungen ein. In Minia liegt ihr Anteil an der Bevölkerung von rund 5,5 Millionen Menschen bei 10 Prozent. Die JBA bittet den SHLV konkret für die Unterstützung eines Projekts um Hilfe, das sie, in Ergänzung zu den etablierten Förderprogrammen, lancieren möchte. Im Rahmen dieses Projektes sollen jährlich 50 erwachsene Frauen und Männer mit geistiger oder körperlicher Behinderung in ein Beschäftigungsprogramm aufgenommen werden. Sie werden in Berufsbereiche, die ihren Fähigkeiten entsprechen, eingeführt und praktisch angelernt. Anschliessend erhalten sie die Möglichkeit, Kleinkredite zu beantragen, damit sie diese Arbeiten selber ausüben können. Mit diesem Förderprogramm erhalten diese Frauen und Männer eine gewisse Selbstständigkeit, entlasten ihre Familien und werden in die Gesellschaft integriert.
Auch Behinderte haben ein Recht auf Arbeit
JBA leitet in der Stadt Minia ein Rehabilitationszentrum und führt von hier aus bereits seit 1983 regelmässig Förder- und Integrationsprogramme für Menschen mit Beeinträchtigungen durch. Ziel ist, diese Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen schulisch, beruflich und sozial zu fördern. JBA hat auch ein Sensibilisierungsprogramm gestartet, um das öffentliche Bewusstsein für die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen und ihr Recht auf Arbeit zu schärfen und damit die negative Einstellung in der Familie und in der Gesellschaft zu ändern.
Darlehen für Menschen mit Behinderung
Das neue Projekt richtet sich gezielt an 50 Menschen, die bereits in den letzten Jahren von JBA gefördert wurden. Sie können Kleinkredite erhalten, um ihnen bei der Entwicklung und Realisierung ihrer eigenen beruflichen Projekte etwa in der Geflügel- oder Schafzucht oder als Handwerker zu helfen. Ebenso sollen Darlehen an Familien mit behinderten Töchtern und Söhnen im Erwachsenenalter vergeben werden, wenn sie sich für deren Ausbildung oder berufliche Integration einsetzen. Erstmalig geht es um die Äufnung eines Fonds. Daraus können dann Darlehen ausgegeben werden, die in monatlichen Raten wieder in den Fonds zurückbezahlt werden. Damit erhalten weitere motivierte Frauen und Männer eine Chance auf Förderung und Unterstützung.
+ Im Juni besuchte der neue geschäftsführende Direktor der JBA, Osama Isaak die Geschäftsstelle des SHLV in Luzern (links im Bild).
Jesuits’ and Brothers’ Association for Development (JBA)
Seit 1966 setzt sich die JBA, eine ägyptische Nichtregierungsorganisation, die von Pater Henry Ayrout SJ gegründet wurde, in der Provinz Minia für arme und benachteiligte Menschen in ländlichen und städtischen Gebieten ein. Der Verein steht der Jesuitengemeinschaft nahe und bildet Freiwillige aus. Im Juni besuchte der neue geschäftsführende Direktor der JBA, Osama Isaak die Geschäftsstelle des SHLV in Luzern, wo er über die Arbeit und die Lebenssituation gesprochen und das aktuelle Projekt persönlich vorgestellt hat. Er wurde von Pater Magdi Seif SJ von der Jesuitengemeinschaft in Minia begleitet; dieser ist seit 2015 im syrischen Homs tätig.