Das Al-Ahli Arab Hospital im kriegsversehrten Gaza ist für Spitaldirektorin Dr. Suhaila Tarazi ein «Leuchtturm der Hoffnung». Als einziges christliches Krankenhaus im Gazastreifen behandelt es monatlich 4600 Notfälle und führt 200 bis 250 Operationen durch – unter prekären Bedingungen. Der Betrieb wird durch das Nothilfeprogramm von der CNEWA (Catholic Near East Welfare Association) mit Unterstützung des Schweizerischen Heiligland-Vereins aufrechterhalten.

Obwohl ein Waffenstillstand gilt, bleibt die Situation im Gazastreifen instabil: «Die Bombardements sind zurückgegangen, doch echte Sicherheit gibt es nicht», so Tarazi. Hunderttausende leben in zerstörten Häusern oder Notunterkünften mit begrenztem Zugang zu Wasser, Nahrung und Medizin. Das Spital übernimmt eine Verantwortung weit über seine Kapazität hinaus. Die Krise verschärft sich: Hepatitis A, Durchfall bei Kindern und Atemwegsinfektionen nehmen zu. Der Fokus verschiebt sich von Kriegstraumata zu vermeidbaren, lebensbedrohlichen Krankheiten.

Medizinische Grundversorgung und Partnerschaften
Trotz der Herausforderungen behandelt das Spital monatlich 4600 Notfälle, führt 200 bis 250 OPs durch und versorgt täglich 120 Wundpatienten, 30 Verbrennungsopfer und 60 Reha-Patienten. Durch Kooperationen mit Jerusalemer Kliniken werden Therapien für Kinder mit Behinderungen und onkologische Leistungen ermöglicht. Monatlich gibt es 4500 Diagnosen, darunter Mammographien (20 Krebsfälle bei 300 Frauen).
Die Zusammenarbeit mit CNEWA ist entscheidend: «Das Spital bleibt ein Leuchtturm für christliche und muslimische Palästinenser», betont Tarazi. Bisher wurden 6660 Menschen durch spezialisierte OPs, HNO-Behandlungen und Traumaversorgung unterstützt.

Nothilfeprogramm und internationale Unterstützung
CNEWA leitet ein umfassendes Nothilfeprogramm mit sieben lokalen Partnern, das Gesundheit, Bildung, Ernährung und psychosoziale Hilfe umfasst. In den ersten 72 Konfliktstunden lieferte CNEWA Lebensmittel und Wasser – kurz vor der Zerstörung der Lager. Seitdem flossen 2,6 Millionen US-Dollar, die 67’670 Menschen halfen.

Der Betrieb des Spitals hängt von internationalen Gebern wie CNEWA, IOCC (International Orthodox Christian Charities), Misereor (Bischöfliches Hilfswerk) und dem Heiligland-Verein ab. Joseph Hazboun (CNEWA-Regionaldirektor in Jerusalem) betont: «Wir leisten nicht nur Nothilfe, sondern schaffen nachhaltige Perspektiven für die Schwächsten.»
Boris Schlüssel
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Die christliche Gemeinschaft in Gaza
Seit Anfang 2026 steht die historische christliche Präsenz in Gaza – eine der ältesten ununterbrochenen Gemeinschaften der Welt – vor dem existenziellen Kollaps. Von einst 1017 Christinnen und Christen (vor dem 7. Oktober 2023) leben noch 550 bis 600 im Gazastreifen. Der Rückgang um 45 Prozent geht auf Todesfälle, Vertreibung und Auswanderung zurück.
Die meisten Verbliebenen finden in Gaza-Stadt Schutz: 400 bis 450 Menschen in der katholischen Kirche der Heiligen Familie, 150 in der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Porphyrius. Einige kehrten nach dem Waffenstillstand in ihre Häuser zurück – doch Risiken und Instabilität bleiben.
Laut CNEWA-Regionaldirektor Joseph Hazboun verschärfen die kleine Gemeinschaftsgrösse und der Mangel an alternativen Wohnmöglichkeiten die Krise. Über 70 Prozent der christlichen Häuser sind zerstört oder geplündert, Bewegungsbeschränkungen verhindern Flucht oder Umsiedlung. Christliche Einrichtungen wie das NECC-Hauptquartier (Near East Council of Churches), die griechisch-orthodoxe Schule, die Holy Family School und das Gelände der Rosary Sisters sind von Vertriebenen belegt – ohne Evakuierungsperspektive.




















