Suppenküche in Aleppo – Ein Ort der Solidarität und Mitmenschlichkeit

Mehr als ein Jahr nach dem Ende des Assad-Regimes kämpfen viele Familien in Aleppo ums Überleben. Die Suppenküche der Pfarrei St. Franziskus ist dabei zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden: Sie schenkt nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern auch Begegnung, Unterstützung und die Erfahrung, in der Krise nicht vergessen zu sein.

Aleppo, einst eine der bedeutendsten Städte Syriens, lebt heute mit den Folgen von Krieg, Zerstörung und anhaltender wirtschaftlicher Krise. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze und sind auf Unterstützung angewiesen. Hier setzt das Projekt an, das von Pro Terra Sancta koordiniert und begleitet wird.

 


Mitarbeitende und Freiwillige der
Pfarrei St. Franziskus im Stadtteil
Azizieh bereiten täglich 1000
Mahlzeiten für armutsbetroffene
Menschen vor.

Bereits in den frühen Morgenstunden beginnen Mitarbeitende und Freiwillige der Pfarrei St. Franziskus im Stadtteil Azizieh mit der Vorbereitung von rund 1000 Mahlzeiten. Zwischen 11 Uhr und 14.30 Uhr wird das Essen im Innenhof der Küche an ältere Menschen, alleinstehende Personen, Witwen, kinderreiche Familien ohne gesichertes Einkommen sowie Menschen mit Krankheiten oder Behinderungen verteilt. Ein Teil der Portionen wird mit einem Lieferfahrzeug zu Menschen gebracht, die nicht selbst kommen können, sowie zu sozialen Einrichtungen wie Waisenhäuser und Pflegeeinrichtungen in der Stadt.

Die Arbeit ist angesichts von Inflation und Versorgungsengpässen eine tägliche Herausforderung. «Wir müssen jeden Beitrag sorgfältig einsetzen, damit wir auch unter schwierigen Bedingungen weitermachen können», sagt Pater Bahjat Karakach, Pfarrer von Aleppo. Die 33 Mitarbeitenden und freiwillige Helferinnen und Helfer tragen dazu bei, dass die Hilfe zuverlässig ankommt. Viele von ihnen stammen selbst aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen und finden in dieser Aufgabe nicht nur eine wichtige Einkommensquelle und Stabilität für ihre Familien, sondern auch eine sinnvolle Verantwortung für ihre Gemeinschaft.

 

   

 

Besonders eindrücklich wurde die Bedeutung der Suppenküche Anfang 2026, als erneute Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und kurdischen Gruppen die Stadt erschütterten. Mehr als 100 000 Menschen mussten innerhalb weniger Tage ihre Häuser verlassen. Die Suppenküche blieb geöffnet und erhöhte ihre Kapazität, um auf die Notlage zu reagieren.

Eine solche Erfahrung beschreibt auch Hassan, 54 Jahre alt, aus Aleppo. Vor dem Krieg arbeitete er als Bauarbeiter und konnte seine Familie versorgen. Doch der Krieg nahm ihm seine Arbeit und sein Zuhause. «Ich erinnere mich an die Nächte, die ich mit meiner Frau und meinen Kindern in der Kälte verbracht habe, auf der Suche nach Schutz zwischen den Ruinen. Ich fühlte mich angesichts ihrer Angst und ihres Hungers völlig machtlos», erzählt er.

Als er von der Suppenküche hörte, habe er zunächst gezögert: «Ich habe mein ganzes Leben mit meinen Händen gearbeitet und wollte niemandem zur Last fallen. Aber der Hunger meiner Kinder war stärker als mein Stolz.» Die erste Begegnung habe er nie vergessen: «In diesem Moment gaben sie uns nicht nur Essen. Sie gaben uns Würde und Hoffnung.»

Die Suppenküche von Aleppo zeigt, dass Hilfe in Krisenzeiten mehr bedeutet als materielle Unterstützung. Eine warme Mahlzeit für rund zwei Franken kann zu einem Zeichen der Hoffnung werden.

Camilla Sibra, Pro Terra Sancta

Vermerk für Ihre Spende: Suppenküche Aleppo

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