Erzbistum Bosra im Süden von Syrien – Kleine und grosse «Hoffnungsprojekte»

Ganz im Süden Syriens, in der nördlichen Ebene des Hauran, rund 57 Kilo­meter südlich von Damaskus, liegt die Kleinstadt Khabab. Von dort aus leitet Msgr. Elias Al Debei die melkitisch griechisch-katholische Erzdiözese Bosra, Hauran und Jabal Al-Arab. Der lange Krieg in Syrien hat die Menschen seiner Diözese in grosse Not gebracht. Die Zukunftsaussichten beurteilt der Erzbischof sehr pessimistisch. Dennoch setzt er sich unermüdlich für die pastorale, soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Region ein – sogar einen Milchwirtschafts­betrieb will er auf «bischöflichem Land» aufbauen.

 

Die Erzdiözese Bosra, Hauran und Jabal Al-Arab wird seit 2019 von Erzbischof Elias Al Debei geleitet, der seinen Sitz in der 10 000-Einwohner-Stadt Khabab hat. Er arbeitet dort mit fünf Nonnen und 14 Priestern zusammen – neun von ihnen sind verheiratet und haben Familie. Der 55-Jährige schloss vor seiner kirchlichen Laufbahn ein Chemiestudium ab und wirkte zunächst als Gemeindepfarrer sowie als Mitarbeiter am Patriarchat in Damaskus.

 

Militante aus dem Umfeld der neuen Machthaber zerstören durch Brandstiftung die St. Michaelskirche, die zur Diözese von Bischof Elias gehört.

 

Heute blickt er mit grosser Sorge auf die Zukunft Syriens: Der seit 15 Jahren andauernde Krieg habe sich stark auf die Erzdiözese ausgewirkt. Durch den Verlust vieler Ressourcen seien sowohl die Weiterentwicklung als auch die Erfüllung der humanitären, pastoralen und administrativen Aufgaben erheblich beeinträchtigt worden.

Enttäuschte Hoffnungen

Die Hoffnungen nach dem Sturz des Assad-­Regimes seien bitter enttäuscht worden, schreibt Bischof Elias. Die neuen Machthaber hätten dem Staat religiöse Doktrinen und Parolen aufgezwungen. Militante aus ihrem Umfeld seien für Diebstähle, Entführungen und Morde verantwortlich – unter anderem für die Terroranschläge auf die St. Eliaskirche in Damaskus und die Brandstiftung in der St. Michaelskirche. Diese Kirche in Al-Surah Al-Kubra gehört zur Diözese von Bischof Elias, der über ihre Zerstörung tief erschüttert ist und entsetzt von der Vertreibung vieler christlicher Familien aus der Stadt berichtet.

 

 

Vielfältige Bedürfnisse

Trotz aller Schwierigkeiten, so der Erz­bischof weiter, setze die Diözese Bosra ihre vielfältige apostolische Arbeit fort – «trotz grosser Herausforderungen und mit Ihrer Unterstützung». Derzeit sucht er nach Spenderinnen und Spendern, die ihn und seine Mitarbeitenden dabei unterstützen, langfristige und nachhaltige Projekte zu etablieren, um die Ziele der Diözese umzusetzen und auf die vielfältigen Bedürfnisse der Menschen zu reagieren. Dazu zählen die Versorgung von Babys mit Milch und Windeln, die Unterstützung älterer, alleinstehender oder verwitweter Menschen, Hilfe für Schülerinnen und Studierende in finanziellen Schwierigkeiten sowie die medizinische Versorgung von Menschen, die dringend chirurgische Eingriffe benötigen.

Bistum besitzt Land und Brunnen

Die Diözese plant zudem den Aufbau eines Milchwirtschafts- und eines Legehennenbetriebs. In ihrem Gebiet, das acht Dörfer in der Provinz Daraa und zwölf in der Provinz Sweida umfasst, leben viele Familien mit geringem Einkommen sowie zahlreiche landwirtschaftlich tätige Familien – insgesamt etwa 3000 Familien. Die Diözese selbst besitzt rund 2500 Hektar Land mit fünf Wasserbrunnen, die allerdings nur etwa 400 Hektar bewässern können. Mit den Einnahmen aus der Landwirtschaft lässt sich nicht einmal ein Viertel der diözesanen Ausgaben decken. Umso mehr ist Erzbischof Elias Al Debei auf die Solidarität und finanzielle Unterstützung aus dem Ausland angewiesen, um seine «Hoffnungsprojekte» zu verwirklichen und den notleidenden Menschen in seiner Diözese eine Perspektive zu geben.

Boris Schlüssel

Vermerk für Ihre Spende: Bistum Bosra

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