Ayelet Gundar-Goshen: «Ungebetene Gäste»

Ungebetene Gäste
Roman übersetzt von
Ruth Achlama
Kein & Aber Verlag
2025 | 320 Seiten
Zuerst war es ein barbarisches Gefühl, nach dem 7. Oktober 2023 ein Buch zu schreiben, erzählt die israelische Autorin Ayelet Gundar-Goshen auf dem Nachrichtenportal der Deutschen Welle. Weil die Geiseln damals immer noch von ihren Familien in Israel getrennt waren und weil die Zerstörung in Gaza immer noch weiterging. «Und dann nimmst du dir das Privileg, in eine andere Welt zu flüchten, die du aus eigenen Worten erschaffst – das fühlt sich falsch an.»
Als israelische Regierungsmitarbeitende jedoch zum Boykott von Büchern und Filmen aufgerufen hätten, die Palästinenserinnen und Palästinenser auf menschliche Weise darstellten, sei der Wendepunkt gekommen. «Da dachte ich, diese Faschisten haben Angst vor Worten. Wenn die glauben, dass Worte etwas verändern, dann kann man Worte auch als Waffe verwenden. Nicht um der Wirklichkeit zu entfliehen, sondern im Gegenteil, um der Realität ins Gesicht zu sehen.»
So nahm Ayelet Gundar-Goshen die Arbeit an ihrem jüngsten Roman wieder auf, den sie längst begonnen hatte: «Ungebetene Gäste», in diesem Sommer auch aus dem Hebräischen auf Deutsch erschienen. Ein israelisches Kleinkind lässt einen Hammer vom Balkon fallen, ein Jugendlicher kommt dabei ums Leben. Verhaftet wird ein palästinensischer Handwerker, der auf dem Balkon arbeitete. Die Mutter des kleinen Jungen schweigt.
Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war. Ein Drama um Schuld, Verdrängung und Rache – ein Psychogramm der israelischen Gesellschaft, die – so sieht es Ayelet Gundar-Goshen – in einem verhängnisvollen System der Angst vor dem jeweils «Anderen» gefangen bleibt.