Dina Matar und Venetia Porter: «Archivieren gegen die Auslöschung»

Schmerzhaft zu lesen, aber eins der wichtigsten Bücher zum Thema, schreibt Asmaa al-Ghoul: «Archiving Gaza in the Present» vereint Texte über Kunst, Literatur, Musik und Archäologie in Gaza. Es bewahrt die Erinnerung an eine Kulturwelt, die es so nicht mehr gibt.
Die Seiten von «Archiving Gaza in the Present: Memory, Culture and Erasure» führen uns zurück in den Gazastreifen vor dem 7. Oktober 2023. Man hört, sieht, fühlt und riecht ihn: seine Galerien und Künstler:innen, die Gebäude und Denkmäler, Literatur und Lyrik, Universitäten und Filme. Nach dieser Reise in die Vergangenheit trägt man eine kollektive kulturelle Identität im Herzen, die durch den Krieg fast vollständig vernichtet worden ist.
Die Herausgeberinnen Dina Matar und Venetia Porter lassen in dem Sammelband Kunstschaffende, Oppositionelle, Journalist:innen, Anwält:innen und Forscher:innen aus Palästina und darüber hinaus zu Wort kommen. Die Beiträge enthüllen Geschichten, von denen einige nicht einmal den Einwohner:innen Gazas bekannt sind.
Dabei bereichern die Beiträge von ausländischen Autor:innen das Buch, ohne in Orientalismus abzugleiten. Das auf Englisch bei Saqi Books erschienene Werk ist tief in der lokalen Realität verwurzelt und vermittelt zugleich auf universelle Weise menschliches Leid. Es ist ein zeitloses Werk und eines der wichtigsten Bücher über Gaza. Dass Form und Qualität der Texte sehr unterschiedlich sind, ist zugleich Stärke und Schwäche des Buchs.
In der Einleitung machen die Herausgeber:innen deutlich, dass sie das Archivieren als Akt des Widerstands gegen die Auslöschung von Erinnerung verstehen – ein Ansatz, der sich durch alle Kapitel zieht. Als rasante Erzählung gleicht das Buch einem in Eile abgespulten Film, der aufzählt, was von den bedeutenden Stätten im Gazastreifen nach seiner Zerstörung noch übrig ist.
https://qantara.de/artikel/rezension-archiving-gaza-archivieren-gegen-ausloeschung