Matthias Kopp: «Iraks christliches Erbe»

Matthias Kopp legt mit «Iraks christliches Erbe» ein umfassendes Werk zur Geschichte und Gegenwart der christlichen Kirchen im Irak vor. Aufbauend auf seiner Dissertation verarbeitet er bisher unveröffentlichte Archivmaterialien und ein reiches Literaturverzeichnis. Ausgangspunkt ist die Apostolische Reise von Papst Franziskus in den Irak (5.– 8. März 2021).
Matthias Kopp beleuchtet deren Vorbereitung, den politischen, gesellschaftlichen und religiösen Kontext sowie die Reden des Papstes unter den Aspekten Stärkung der christlichen Minderheit, interreligiöser Dialog und Beitrag zu einer friedlichen Zivilgesellschaft.
Papst Franziskus schrieb das Vorwort und betont seine Solidarität mit den Menschen des Irak. Kopp spannt jedoch einen weiteren Bogen: von den biblischen Wurzeln über das frühe Mönchtum, Konzilien, arabische, mongolische und osmanische Herrschaft bis hin zu diplomatischen Kontakten Roms nach Mesopotamien.
Er analysiert die Gefährdung des Christentums im Irak, Ursachen von Übergriffen und die daraus resultierende Emigration. Auch islamische Glaubensrichtungen werden dargestellt, deren Spannungen eine Versöhnung zwischen Schiiten und Sunniten erschweren. Der Einfluss des schiitischen Islam aus dem Iran bedroht das multiethnische Zusammenleben.
Besonderes Augenmerk gilt den Jahren unter dem «Islamischen Staat», dessen Aufstieg Kopp als Folge des Machtvakuums nach der arabischen Revolution sieht. Er dokumentiert die Christenverfolgung, den Völkermord an den Jesiden und die zugrunde liegende Ideologie, stellt jedoch das Scheitern des IS im Irak fest.
Abschliessend nennt Kopp Gründe, warum das irakische Christentum trotz Bedrohungen Zukunft hat, und bekräftigt seine Hoffnung, dass Christen an Euphrat und Tigris weiterhin ihren Glauben leben werden.
Hans Rahm