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Hilfe für Menschen im Ursprungsgebiet des Christentums

Co-Präsident Andreas Baumeister erklärt die Arbeit des Schweizerischen Heiligland-Vereins

 

Seit letztem Herbst steht der Baselbieter Theologe Andreas Baumeister an der Spitze des Schweizerischen Heiligland-Vereins. Mit dem Karwochenopfer und weiteren Spenden unterstützt der Verein in Zusammenarbeit mit christlichen Partnern Hilfsprojekte im Nahen Osten.

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Andreas Baumeister, Co-Präsident des Schweizer Heiligland Vereins, bei einem Besuch des Friedenscamps Tent of Nations südlich von Bethlehem, zusammen mit (von links) Amal (Mitarbeiterin Tent of Nations), Marie-Theres Beeler und Livia Leykauf (Pressesprecherin Caritas Baby Hospital in Bethlehem). (Foto: Michael Meier)

Herr Baumeister, was gehört zum Heiligen Land?

Andreas Baumeister: Für uns sind es die Ursprungsländer des Christentums. Das Heilige Land umfasst nicht nur Palästina und Israel, sondern auch Ägypten, Libanon, Syrien und den Irak.

Was motiviert Sie dazu, sich im Heiligland-Verein zu engagieren?

Vor 35 Jahren habe ich an der Dormition Abbey in Jerusalem studiert, das zeigte mir die Vielfalt der Kirchen und Religionen im Heiligen Land. Seither ist mir bewusst, wie sehr Christinnen und Christen im Nahen Osten unsere Hilfe benötigen. Ich engagiere mich aus einer tiefen Verbundenheit mit dieser Region.

Christinnen und Christen bilden eine kleine Minderheit im Heiligen Land. Welche Rolle spielen sie heute?

Das Christentum droht in Palästina zu verschwinden, weil vor allem die Jungen nach Europa und in die USA zur Ausbildung gehen und nicht mehr zurückkommen. Aber die Bildungseinrichtungen und diakonische Initiativen der Ostkirchen und von einheimischen Ordensgemeinschaften werden weiterhin präsent sein. Ihre Hilfe richtet sich an alle bedürftigen Menschen, unabhängig von der religiösen oder ethnischen Herkunft.

Auf welcher Seite engagiert sich Ihr Verein im Palästinakonflikt?

Unser Verein ist neutral und pflegt Kontakte zu Projektpartnerinnen und -partnern in Palästina und Israel. Weil sich die Lage der Menschen in Palästina, das unter israelischer Militärverwaltung steht, stetig verschlechtert, engagieren wir uns aber vor allem für Sozial-, Bildungs- und Arbeitsprojekte, die der palästinensischen Bevölkerung zugutekommen. Diese ist in der aktuellen politischen Situation die Hauptleidtragende dieses tragischen Konflikts.

Der Palästinakonflikt scheint unlösbar – welchen Sinn hat da die Arbeit des Vereins?

Seit über 100 Jahren ist der Heiligland-Verein in einer Region präsent, in der ständig Unfrieden, Gewalt und Intoleranz herrschen. Wir unterstützen Initiativen unserer orthodoxen Schwesterkirchen und von Ordensgemeinschaften, die sich trotz aller Gewalt und ohne Aussicht auf ein Ende des Nahostkonflikts ganz konkret für Kinder, Jugendliche oder alte Menschen einsetzen. Ja, es sind Tropfen auf den heissen Stein. Aber Diakonie, die Hilfe für den notleidenden Nächsten, gehört zu unserer christlichen Identität. Da kann man nicht fragen, ob man die Gesellschaft damit verändert.

An wen geht die Unterstützung des Heiligland-Vereins?

Unsere Partnerinnen und Partner sind zwar christliche Institutionen, aber die Hilfe, die sie leisten, kommt allen bedürftigen Menschen in der Region zugute. Christliche Privatschulen werden mehrheitlich von muslimischen Schülerinnen und Schülern besucht. Diese erleben dort eine positive Beziehung zum Christentum.

Wie vergewissern Sie sich, ob Ihre Projektpartner vertrauenswürdig sind?

Wir wählen kleine, überschaubare und zeitlich befristete Projekte aus. Unsere Auswahl beruht auf persönlichen Kontakten, schriftlicher Korrespondenz und auf Besuchen vor Ort. An unserer Generalversammlung am 17. September in Aesch BL wird uns Bischof Antiba aus Südsyrien besuchen.

Wann reisen Sie selber wieder ins Heilige Land?

Nächstes Jahr planen wir eine Projektreise nach Ägypten. Wir wollen unsere Projekte in El Minia, in Mittelägypten besuchen, aber auch Vertreter der koptischen Kirche und des Islam treffen sowie Schweizer Einrichtungen in Kairo und Alexandria zu einem Austausch besuchen. An dieser Reise können nicht nur unsere Mitglieder, sondern alle interessierten Personen teilnehmen. Der Heiligland-Verein bietet seit jeher auch Pilgerreisen ins Heilige Land an. Zum Beispiel die Reise von unserem langjährigen früheren Vizepräsidenten Pfarrer Josef Zwyssig (Buochs) nach Israel und Palästina, die allerdings schon ausgebucht ist.

Interview: Christian von Arx, www.kirche-heute.ch

Spendenkonto des Schweizerischen Heiligland-Vereins:
Postkonto 90-393-0, IBAN CH78 0900 0000 9000 0393 0

Co-Präsident

Andreas Baumeister (Liestal) ist 57, verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. Er studierte Theologie in München und Jerusalem und leitete Bibelschulen in Nazareth und Istanbul. Nach langjähriger Arbeit in der Redaktion der Zeitschrift «Ferment» und im Verlagswesen wechselte er in die Seelsorge: Seit zwei Jahren ­arbeitet er als Pastoralassistent im Seelsorgeverband Angenstein und absolviert bis Ende Juni die Berufseinführung im Bistum Basel. Seit September 2017 ist er Co-Präsident des Schweizerischen Heiligland-Vereins, zusammen mit Ludwig Spirig-Huber (Bern). Ab Herbst
soll Andreas Baumeister den Verein allein leiten.

Karwochenopfer

Wie jedes Jahr rufen die Schweizer Bischöfe zum Karwochenopfer auf. Dieses wird in den Gottesdiensten von Karfreitag oder Ostern eingezogen. Der Ertrag – im Jahr 2017 waren es rund 800 000 Franken – geht je zur Hälfte an den Heiligland-Verein und an die Kustodie der Franziskaner. Nach Auskunft von Andreas Baumeister fliessen beim Heiligland-Verein 93 Prozent des Spendenertrags in Hilfsprojekte, 7 Prozent in die Verwaltung. Für das Jahr 2018 hat der Verein 19 Projekte in sechs Ländern ausgewählt. Weitere Informationen auf der Webseite www.heiligland.ch, die sich ab 23. April in neuer Gestaltung präsentieren wird.

 

Wirkungsvoll?

Der Schweizerische Heiligland-Verein besteht seit über 100 Jahren. Jede Karwoche wird ein Kirchenopfer für den Verein aufgenommen. Was geschieht mit den Spenden? Ist ihr Einsatz wirkungsvoll?

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Mission de vie. Ein Heim, wo Menschen in Geborgenheit sterben können, einzigartig im Libanon. Foto: zVg

Nach eigenen Angaben bezweckt der Heiligland-Verein die Förderung von «solidarischen Beziehungen zu den Menschen in den Ursprungsländern des Christentums. Er unterstützt vor allem in Israel, Palästina, im Libanon, in Syrien, Ägypten und im Irak gemeinnützige Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Sozialhilfe».

1901 als «Verein schweizerischer Jerusalempilger» gegründet, führt er auch heute noch Reisen durch, die den Teilnehmenden Begegnungen mit Menschen im Nahen Osten ermöglichen und so zur Verständigung beitragen. «Begegnen, Beten, Spenden», sind die drei Säulen, auf denen der Verein ruht. «Wir setzen uns für kleine Initiativen ein, die gerne von grossen Hilfswerken vergessen gehen», bemerkt der neue Co-Präsident Ludwig Spirig-Huber.

Jeweils in der Karwoche wird in den Pfarreien für den Heiligland-Verein und die Franziskaner-Kustodie des Heiligen Landes das Karwochenopfer eingezogen. Davon fliessen 450 000 Franken direkt an den Heiligland-Verein. Die Spenden sind ein Segen.

Ludwig Spirig-Huber, den Katholik*innen in der Region Bern bestens bekannt als ehemaliger Kommunikationsverantwortlicher der Katholischen Kirche Region Bern, sagt mit Stolz: «Lediglich 7% der Spenden werden für Verwaltung und Administrationsaufwendungen verwendet. 93% fliessen direkt in kleine, aber effiziente Projekte in den Ursprungsländern.»

Ein solches Projekt ist beispielsweise ein Kinderheim in Jabboulé im Libanon. Unweit der syrischen Grenze, etwa 30 km nördlich von Baalbek, betreiben die Soeurs de Notre Dame ein Kinderheim mit Schule. Syrische Flüchtlingskinder finden dort Aufnahme und ein neues Zuhause. Einer davon ist der junge Mann Charbel, der nach seiner Konversion den Namen des Nationalheiligen des Libanons angenommen hat.

Er erzählt, dass er in Syrien im Krieg, die Andersgläubigen zu hassen gelernt habe. Sie seien Abtrünnige, Menschen, die man töten müsse. Hier in Jabboulé habe er gelernt, dass dies ganz anders sei. Er habe Frieden in seinem Herzen gefunden.

Rahel, eine 15-jährige Libanesin, fand ebenfalls Aufnahme im Heim der Soeurs de Notre Dame. Ihr christlicher Vater wurde schwer krank und konnte sich nicht mehr um die Tochter kümmern. Rahel sagt, dass sie in der Schule ihre moslemischen Mitschüler*innen schätzen gelernt habe. Sie schloss mit Sunniten und Schiiten Freundschaften. So schaffe es das Kinderheim, erzählt Ludwig Spirig-Huber, religionsübergreifend Verständnis zu fördern.

Dies sei dem Verein ganz wichtig. In vielen der unterstützten Projekten des Vereins geschehe dies. Ein Blick auf die Liste der Projekte 2016 ist eindrücklich. Unter den 19 aufgeführten Empfängern der Spenden befinden sich eine Handwerkerschule der Salesianer in Bethlehem, die Sozialarbeit des Armenisch-katholischen Patriarchats von Kilikien oder des Koptisch-katholischen Bistums in Mina in Ägypten. Diese Sozialinitiativen werden mit Spenden zwischen 5000 und 20 000 Franken direkt gefördert.

Der Heiliglandverein stehe unter der direkten Kontrolle der Schweizerischen Bischofskonferenz: «Wir haben ein gutes Einvernehmen», sagt Spirig-Huber. Die grossen Flüchtlingsströme ermöglichen es auch, so Spirig-Huber, Betroffenen aus den unterstützten Ländern hier in der Schweiz zu begegnen. Begegnung heisst so nicht nur reisen, sondern auch Vorträge und Diskussionsabende in Pfarreien, wenn diese gewünscht werden. Mit den beiden neuen Co-Präsidenten Ludwig Spirig-Huber und Andreas Baumeister will der Verein in eine neue Phase treten.

Die neu gestaltete Zeitschrift «HeiligesLand», in der verschiedene Projekte vorgestellt werden, eine übersichtliche Homepage und mehr Transparenz in der Wirkungsgeschichte des Vereins sind Teil dieses Aufbruchs. «Uns ist zudem eine vermehrte Vernetzungsarbeit wichtig», hält Spirig-Huber fest, «mit ähnlich kleinen Hilfswerken tauschen wir uns aus.

Synergien sollen so genutzt werden.» Die administrativen Kosten können nur tief gehalten werden, weil der ganze Vorstand ehrenamtlich arbeitet: «Bezahlt wird unsere Geschäftsstelle mit ihren Aufwendungen.» Begegnen, Beten und Spenden seien Säulen der Solidarität: «Das dies keine leere Worte bleiben, dazu will der Heiligland-Verein beitragen», bekräftigt Ludwig Spirig-Huber mit Überzeugung.

Jürg Meienberg, von www.kathbern.ch

 

Bait Anya: «Hoffnungsgeschichten? Ja, natürlich!»

Basmat al-Qarib heisst ihre Organisation, die eine Brücke zwischen Hilfsprojekten im Irak und Menschen in der Schweiz schlagen will. Lusia Shammas und Naseem Asmaroo übersetzen diese arabische Bezeichnung mit «Das Lächeln des Nächsten». Oder – wie die Theologin und der Theologe sagen: «Wir beziehen uns damit auf das Gleichnis Jesu vom Barmherzigen Samariter, mit dem Jesus uns die Frage stellt: «Wem bin ich der/die Nächste? – und eben gerade nicht: «Wer ist mein Nächster?».

Andreas Baumeister (rechts) zu Gast in Yvonand bei Lusia Shammas und Naseem Asmaroo

Naseem Asmaroo konnte ihre gemeinsame Organisation «Basmat al-Qarib» bereits vor rund vier Jahren an der Generalversammlungdes SHLV vorstellen. Seither hat sich nichts an der Dringlichkeit der Hilfe für Menschen im Norden des Iraks geändert. «Wir helfen gemeinsam» ist ihr Motto. Und das heisst für die beiden: «Es ist ganz wichtig, Vertrauen aufzubauen –auf allen Seiten. So konnten sie im Verlauf der letzten Jahre mehr als 500 000 Franken von der Schweiz an Projekte in ihrem Herkunftsland überweisen.

Im Irak, vornehmlich im Norden des Landes, leben momentan rund eine halbe Millionen Christen und Christinnen. Diese sprechen in der Regel drei verschiedene Sprachen: arabisch und englisch in der Oeffentlichkeit, aramäisch (die Sprache Jesu) in der Familie. Naseem Asmaroo zeigt uns sein Messbuch, das die liturgischen Texte sowohl auf arabisch wie aramäisch enthält.

Doch die Situation der Christen und Christinnen ist schwierig. So müssen junge Leute, die studieren wollen, ins Ausland emigrieren. Die schlimmsten Auswirkungen hätte aber – und das ist bis heute spürbar – die Sanktionen der verschiedenen Kriegspartner nach dem Ersten Golfkrieg von 1991 gehabt. Diese Sanktionen hätten die Armut enorm befördert.

Ob es auch Hoffnungsgeschichten gäbe, fragen wir sie. Ja, natürlich. Und sie beginnen zu erzählen, eine dieser Geschichtensei «Bait Anya» (vgl. den Artikel in diesem Heft». Mit Basmat al-Qarib hätten sie auch ein Netzwerk aufbauen können im Irak – und die Menschen in diesem Netzwerk könnten einander gegenseitig Hoffnung schenken.

Lesenswerter Artikel: Katholisches Medienzentrum: Wie kann man gleichzeitig allen und seiner Frau gehören?

 

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