Reisen

 

Rückblick auf die Pilderreise: Wunderbare Begegnungen in Israel und Palästina

«Schön seid Ihr da»

Nachdem während zwei Jahren zahlreiche Heiliglandreisen pandemie­bedingt abgesagt werden mussten – auch die geplante SHLV-Reise –, ist im Mai eine Pilgergruppe aus dem Pastoralraum Zug Walchwil nach Israel und Palästina gereist. SHLV-Vorstandsmitglied Boris Schlüssel hat die 27-köpfige Reisegruppe zusammen mit Seelsorgerin Agatha Schnoz begleitet. Sie erlebten elf unvergessliche Tage – darunter drei besonders berührende Begegnungen.

Bei der Abreise war die Pandemie noch allgegenwärtig: zuhause musste ein kompliziertes Einreisedokument aus­gefüllt, beim Einchecken in Zürich ein negativer Covid-Test vorgezeigt werden; und auf dem Flughafen in Tel Aviv gings vom Security Check direkt wieder zum Covid-Test. Umso erfreulicher waren die vielen positiven Reaktionen von Menschen in Israel und Palästina, die sich über unsere Pilgergruppe freuten: «Schön seid ihr da! Ihr seid eine der ersten Gruppen überhaupt …»

Blick in den Garten des Gästehaus St. Vincent in Bethlehem

Mütterliche Schwestern in Bethlehem

Die ersten beiden Nächte waren wir im Gästehaus St. Vincent in Bethlehem untergebracht. Diese einfache, gastfreundliche Pilgerherberge wird von Ordensschwestern der «Filles de la Charité de Saint-Vincent de Paul» geführt. Unmittelbar daneben befindet sich die «Crêche», wo bis zu 80 Waisenkinder von rund 70 Mitarbeitenden betreut werden. Zum «Staff» gehören neben den Pflegerinnen auch ein Kinderarzt, ein Sozialarbeiter sowie mehrere Lehrpersonen. Unsere Reisegruppe war tief berührt von der Begegnung mit Sr. Leonie, die davon erzählte, wie junge Frauen – auch 13-jährige Mädchen – in die Einrichtung kommen, um im Geheimen ein Kind zu gebären, das sie dann zurücklassen müssen, weil Mutter und Kind in der Familie vom Tod bedroht wären. Die Schwestern und ihr Team kümmern sich liebevoll um die – per Gesetz muslimischen – «Findelkinder», bis sie mit sechs Jahren an Pflegefamilien übergeben werden.

Die Pilgergruppe aus dem Pastoralraum Zug Walchwil vor dem Caritas Baby Hospital in Bethlehem

Eine junge Palästinenserin «bleibt»

Beim Besuch im Caritas Baby Hospital in Bethlehem wurden wir von Shaden Shaer empfangen. Die Palästinenserin, eine orthodoxe Christin, arbeitete mehrere Jahre in der Administration des Kinderspitals, seit der Geburt ihres ersten Kindes engagiert sie sich in Teilzeit als «Gruppen-Empfängerin». Die Pilgerinnen und Pilger aus Zug waren beeindruckt und begeistert von der jungen Frau, die uns in ausgezeichnetem Deutsch über die spannende Geschichte und das vielfältige Angebot des Kinderspitals in­formierte. Zudem erhielten wir durch Shaden Shaer auch einen persönlichen Einblick in das schwierige Alltagsleben in Bethlehem – im langen Schatten der hohen Grenzmauer.

Unkomplizierte Gastfreundschaft in Haifa

Von systemischen Schwierigkeiten und allerlei alltäglichen Herausforderungen auf der anderen Seite «der Mauer» erzählten Agnes Shehade-Bieger und ihr Sohn Jamal bei unserem Besuch im «Haus der Gnade» in Haifa. Auch dieser Besuch in der melkitischen Kathedrale – dem Herzen des «Haus der Gnade» – wird den Pilgern aus der Schweiz in besonderer Erinnerung bleiben: So viel Herzlichkeit, Offenheit und positive Energie strahlten Agnes und Jamal aus, während sie von der bewegten Geschichte ihres Werkes, von überstandenen und gegenwärtigen Herausforderungen und vom wunder­baren Kamil Shehade, dem verstorbenen Gründer, Ehemann und Vater, erzählten.

Jamal Shehade und Agnes Shehade-Bieger
mit Boris Schlüssel

Diese drei Begegnungen und viele andere Eindrücke und Erlebnisse brachten die Pilgerinnen und Pilger nach elf – auch anstrengenden – Tagen als kostbare «Souvenirs» mit zurück in die Schweiz. Einmal mehr waren es vor allem diese «lebendigen Steine», die unsere Heiliglandreise zu einer einmaligen Erfahrung machten.

Boris Schlüssel

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